Sich auf andere stützen

Soeben versucht, etwas zu den Angriffen auf Peter Handke zu schreiben. Ich lasse es, habe die Sätze gelöscht. Das führt zu nichts. Der Streit flammt auf, kurz und heftig, und im neuen Jahr gehen alle wieder ihren Geschäften nach. Handke muß den Preis verkraften – er ist alt genug, ändert sich nicht mehr und wird weiterschreiben, bis er nicht mehr kann. Die Kritiker haben die Aufmerksamkeitsökonomie für sich nutzen können und Sichtweisen beigesteuert, die ich bescheiden finde. Handke als jemand, der seine Frauen und Freundinnen tritt? Handke als jemand, der Massaker auf dem Balkan gutheißt? Das haben sie im Angebot? Ich würde aufs Werk zielen, nicht auf den Menschen. Zunächst müßte man es lesen, sodann verstehen, anschließend die verwundbarste Stelle suchen. Nachgereicht die Frage, die mich seit ein paar Wochen beschäftigt, und zwar ernsthaft: Wozu gibt es Moralisten? Gibt es ohne sie weniger gutes und mit ihnen mehr lobenswertes Verhalten? Dienen sie der Reinigung, sortieren sie aus? Worin besteht ihre Expertise? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um mitzumischen? Wie kommt man eigentlich dazu, andere zu moralisieren? Was lockt daran, was gibt es zu gewinnen, außer kurz mal Aufmerksamkeit (Anerkennung? Genugtuung?) und falsche Freunde?


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