Etwas schleicht sich ein durch die geöffnete Tür

Auf einem Zettel seltsame Aufzeichnungen aus dem letzten Jahr:

Kann das Leben denn vermutlich sein? / Namen schreiben! / Die Einwohner fragten nicht nach Gewehren.

Handelt es sich dabei um Notizen des ‚automatischen Schreibens‘? Écriture automatique – ein Versuch der Surrealisten, die Kontrolle des Verstandes außer Kraft zu setzen und an die verschütteten Quellen der Inspiration zu gelangen. (Sie hatten es nötig.)

Auch Esoterikkreise interessieren sich für das ’soul writing‘. Der Schreibende wird zum Medium, dem Fragen gestellt werden können. Ersehnte Zugänge zum Unbewußten.

Was ‚weiß‘ das Unbewußte, was steckt im Unterbewußtsein? Das ‚Geistschreiben‘ trägt es aus dem Schatten ins Licht – in die Buchstabenordnung.

Es gibt Kurse zu buchen. So fängt man an – vervollständige den folgenden Satz: „Im Augenblick fühle ich mich echt ______.“ Da mag ich nicht mehr, echt nicht.

Die psychographische Technik, die auf Pierre Janet zurückgeht, beschäftigt mich durchaus. Versehentlich schreibe ich ‚automatisch‘, auch auf diesen Seiten. Einzelne (und vereinzelte) Sätze geraten ins Gewebe des Textes – ich bemerke sie und streiche nicht.

Wozu sie dort sind, weiß ich nicht. Ich lasse sie zu und unterstelle eine mir (einstweilen noch) verborgene Bedeutung. Ein wenig ähneln sie dem Zufall, der Unverbundenes im Augenblick überraschend verbindet.

In welchem Ort bin ich gewesen, daß sie mich dort nicht nach Gewehren fragten? Welche Namen soll ich schreiben? Was ist ein vermutliches Leben? Wer bin ich jenseits der Sperrzone?


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