Witterung

Wind macht Wetter. Kleine Hagelkörner kommen geflogen, prasseln leise auf das äußere Fensterbrett. Ich wurde aus dem Schlaf gebohrt. In der Nachbarwohnung frästen Handwerker die Steckdosenlöcher, das klang operativ kopfnah und knirschte und quietschte. Hirnchirurgen benutzen Schädelbohrer und -Fräsköpfe. Sodann sind die Wolken vertrieben und Himmelsblau blitzt hervor. Das geht hin und her wie im April. Wir sind nun sämtlich Klimadeuter, das ergibt Stoff für Gespräche über Zukunft. Befürchtungen und Hoffnungen, Szenarien auch. Gestern Ein verborgenes Leben (A Hidden Life) gesehen: drei Stunden Alpenlandschaft und Bergeinsamkeit, anschließend Prenzlauer Berg mit Autokolonnen (Feierabendverkehr) und den funkelnden Lichtern der Großstadt – kaum mehr der Rede wert? Welten wechseln, Witterungen, das Gespür für Land und Leute nicht verlieren. Die Ranken der Rosen schwanken im Wind, der Himmel nun ganz aufgerissen und voll von hellstem Blau. Ganz natürlich leben wir mitten im Wunder. Man muß gar keine Theologie daraus machen.


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