Schlaf heilt. Absinken in die Tiefen des Unbewußten. Täglicher Gnadenakt einstweiligen Vergessens. Noch in diese Woche hinein Alpträume, seit kurzem jedoch Aufhellung. Für das Bewußtsein scheint das Schlimmste ausgestanden zu sein. Aber Vorsicht! befiehlt der Aberglaube, der mir treu ist, seit ich denke. Vorsicht, du weißt nie, was noch kommt. Mit dem Schlimmsten rechnen, jederzeit – eine Lektion des Lebens. Mein Vater ist Zweckpessimist – falls eine solche Verkehrung sinnvoll und gestattet ist. Vorteil jener Inversion: man kann niemals enttäuscht, bestenfalls positiv überrascht werden. Temperamentssache. Ich bin oft zu schnell begeistert, muß mich später dann entgeistern. Erst wärmen, dann frieren – auch nicht schlau. Aber man kann sich nicht einstellen wie ein Gerät, und ich will es auch nicht. Lieber lasse ich alles wirken und horche in mich wie in ein Gefäß, in dem die Zutaten des Alltags aufeinander reagieren.
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