Die Erschöpfung

Anstrengend sind derzeit: Begegnungen und Gespräche; Spaziergänge und Bewegungen im sogenannten öffentlichen Raum; Einkäufe und Besorgungen; Fahrten mit den sogenannten öffentlichen Verkehrsmitteln; Besuche auf Ämtern und bei Ärzten.

Um ein vielfaches anstrengender als sonst. Und wenn zutrifft, was man mir sagte, daß nämlich ein Mensch achtzig Prozent seiner mentalen Kraft dafür aufwenden muß, sich (erstens) selbst stabil zu halten und (zweitens) hinsichtlich seiner sozialen Beziehungen zu orientieren und einzustellen, weiß ich, woher diese große Erschöpfung kommt.

Hinzu tritt, daß sich Menschen nun, ausgelöst durch das, was wir Krise nennen, mitunter seltsam zu verhalten beginnen. Einige tauchen ab und bleiben abgetaucht. Andere tauchen auf und gehen gar nicht mehr unter. Spielarten des Schwimmens, mit oder ohne Luft.

Unsere Lesung vor einem Monat wie unter Wasser. Ich habe mich noch in Ohr und Auge, wie ich vor meinem Bildschirm sitze, auf das Feld unterhalb der Kamera blicke und eine Traumgeschichte vorlese, die ich kurz zuvor geschrieben habe. Wohin lese ich das eigentlich? dachte ich mittendrin, und schon verlas ich mich.

Und nun ist es weiterhin kühl draußen und nichts erlöst einen, gar nichts. Nein, wir leben nicht in einem Krieg, fragt die Alten! Dies ist nur eine Sondernummer aus der Geschichte der Infektionskrankheiten, weltumspannend erlebt, erzählt und durchlitten. Es gibt Schlimmeres, wie immer.


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