Wüßten wir noch, wer wir sind, wenn wir mit niemandem mehr verkehrten? Ich denke, wir gerieten uns allmählich in Vergessenheit und schliefen eines Abends ein, erwachten am nächsten Morgen und wären ebenso verrückt wie frei. Die Identität, um die einst so viel Wind gemacht wurde, trüge sich ab wie die Erdkrume auf ungeschütztem Acker. Wir lebten wie auf einem Mond, eine Zeitlang noch schwach beleuchtet von der fernen Sonne unserer vormaliger Existenz. Es wäre nicht mehr wichtig, dieses zu sein oder jenes zu behaupten. Die alten Bilder würden verblassen, bis wir uns selbst nicht mehr auf ihnen fänden oder sie überhaupt vergäßen. Vielmehr käme es darauf an, wie sich dieses Wesen, das wir zu sein scheinen, in neuem Zusammenhang findet (entdeckt) und in dem entstehenden Bild behauptet. Es mag sich sogar gefallen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.