Zu viel in zu kurzer Zeit

Anfangs ist alles fremd und unvertraut. Dann läuft sich’s los und die Wirklichkeit wird zuhanden. Greifen und begreifen, sehen und verstehen. Eines Tages wechselt sich’s in den Alles-klar-Modus, die Professionalisierung beginnt. Nichts Neues unter der Sonne mit achtzehn, neunzehn. Gefährliche Zeit. Ennui – Schwermut, Trübsal, Überdruß. Unaussprechliche Melancholie. Selbstmordgedanken. Grundkurs Leben absolviert, Enttäuschungen gegen Hoffnung eingetauscht. Tauschen und täuschen. Sprung ins zweite Rad der Hölle, Überschrift: Ernstfall und Bewährung. Von draußen die Rufe der Schlachtenbummler, die flirren und zischen vorbei wie Feuerwerkskörper. Leben ist sonstwas, jemand sagt: ein Flipperspiel, und ich bin die silberne Kugel; jemand sagt: Achterbahnfahrt, schlimmer Sturz in die Tiefe, dazu die Schreie der Mitreisenden. Ein Song hilft aus: „Das ist doch alles nur zur Unterhaltung gedacht, was kann ich dafür, wenn ihr daraus ein Drama macht.“ Während dies geschieht („Geschichte wird gemacht, es geht voran“) im Nacheinander und Durcheinander der Zeiten, der Orte und der Beteiligten, der Konstellationen und Situationen, kann kaum gewürdigt werden. Es fehlt dazu der Abstand. Alles ist dauernd gleich nah und gleich fern, die Begebenheiten tauschen sich aus, die Zuneigungen folgen ihrer ewig-fatalen Drehung ins Abgeneigtsein und fänden auch zurück, wenn man sie nur ließe. Doch es soll schnell gehen und muß es wohl auch. Abgehetzte Existenz. Dauernd ist was. Was ist dauernd? Dauernd ist nichts, nur die Langeweile, die dauert an. Später einmal wirst du … sagen sie. Später einmal, das klingt wie Sibirien. Da will man nicht hin, da hassen sie Menschen.


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