Na – Weihnachten gut überstanden …? fragten sie (Bekannte, Verwandte, Nachbarn, Freunde). Das ließ offen, wie zu antworten war. Entweder es war „schön“, dann war das Thema durch. Zeigte man auf seinen Bauch und strich mitleidsvoll darüber, bekam man ein verständnisvolles Nicken. Machte man ein bedenkliches Gedicht (Gesicht soll es heißen – ich denke aber an Gedichte), streckte die Hand nach vorn und drehte sie im Handgelenk nach links und rechts, was eher ein Wackeln war, als befinde sich ein Flugzeug im Landeanflug (Bewegungen sind leicht zu zeigen, aber beschreib sie mal), wußten die Leute Bescheid: es war also halbwegs gutgegangen, wenn auch unter Verlusten. Familien sind so eine Sache – man schuldet sich Liebe. Liebenmüssen geht aber nicht, wie leicht einzusehen ist. Also wird Theater gespielt. Heikle Angelegenheit. Drei Tage aufeinander zu sitzen und Glücksfamilie zu spielen. Endlich brechen die Konflikte auf, bestätigen sich die Rißlinien, die durch alles laufen, was lebt und denkt. – Das ist nun lange her. Ich muß nicht lieben, das entspannt. Aber ich darf. Früher gab es größere Spannungen zwischen Eltern und Kindern, bilde ich mir ein. Von einem Generationenkonflikt kann keine Rede mehr sein. Wir mußten gegen Familie sein, das war gesetzt. Von wem? Von der Zeitgeschichte und anderem (viel zu viel für jetzt und hier). Wir mußten oder sollten kritisch sein und gaben unser Bestes dorthin. Die Eltern waren diejenigen, die spinnen. Mit ihnen pflegte man Umgang wie mit Halbirren. So versahen „die Besten meiner Generation“ (was für eine elende Propagandaformel) ihren Dienst als Krankenpfleger in der Privatpsychiatrie und durften sich als Opfer bewundern oder bemitleiden lassen (was aufs Gleiche hinauslief). Bei uns Zuhause war es nicht so, ich hatte (wieder einmal) Riesenglück.
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