Die(, die) sich betont lässig geben, benutzen das als ein Mittel gegen ihr inneres Aufgeregtsein. Sie hoffen, daß ihr gezeigtes Verhalten invertiert und damit gleichsam wahr wird. Nach außen scheint es immerhin Wirkung zu tun. Denn die Mitmenschen schließen von außen nach innen, vom Verhalten auf das Befinden oder den eigentlichen Zustand. Das beruhigt. Wenn die anderen es glauben, scheint es zu stimmen. Es wäre nun an der Zeit, daß die gute Nachricht bei einem selbst ankommt: daß man lässig ist, sich sicher fühlt und der Situation gewachsen. Coolness ist Fassade. Innen dampfen die Kessel und beschlagen schon die Scheiben. Scheiß drauf, die Haltung zählt. – Daß das albern ist, versteht sich. Doch die Geste gilt. Sie kann sich zur Symbolhandlung steigern. Sieh nicht hin, wenn der Schreihals mit der Pistole in der Hand das Café oder die Bar betritt und zwei, drei Schuß in die Stuckdecke feuert. Er ist ein Idiot und über die Maßen aufgeregt. Besser er suchte das Weite, bevor er noch mehr Schaden anrichtet. Jetzt starren ihn alle an, nur du tust es nicht. Lies weiter in deiner Zeitung, das macht ihn aufmerksam und irritiert sein Programm. Nur dir hört er fortan zu, ginge es um Worte und sollte er etwas verstehen wollen. Es geht ja Schlag auf Schlag. Alle anderen sind bereits Schußopfer, haben sich ergeben, sind Kaninchen. Für solche Situationen ist Coolness erfunden worden. Natürlich pocht das Herz und der Blutdruck steigt. Jetzt gilt es. Das ist der Versuch, sich die Situation nicht einfach servieren zu lassen, sondern selbst den Hitzegrad zu bestimmen.
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