Man muß ausführlich und beinahe täglich an der Sprache scheitern. Das ist Erziehung. Nicht sagen zu können, was man fühlt, denkt, sagen möchte. Wahnsinnig darüber werden (metaphorisch, also nur fast), den Stift in die Ecke werfen, das Blatt Papier zerreißen, die Schreibmaschine aus dem Fenster fallen lassen (krasch), die Haare raufen, vor die Tür gehen, den Block umrunden, sein ganzes bisheriges Leben umrunden (gedanklich, in Gedanken, nur gedacht), alles muß man erklären. Keine schöne Erziehung, mag sein, aber notwendig. Sprache ist eine Mitmachveranstaltung ohne sonderlich hohe Eintrittsbeschränkungen. Aber Sprache hat Ebenen, Etagen, Stockwerke, Höhen und Tiefen, Verstecke und Aussichtsplattformen, Trickkisten und Erwartungsenttäuschungen. Sprache vibriert, während man in ihr ist. Nicht nur ich agiere, auch sie agiert. Sie ist nicht allein ein Regelsystem, ein Laut- und Wortbestand, ein Verknüpfungswesen, ein Tauschbasar, eine Zeichenwelt, ein Zauberkuchen, ein Zirkuszelt. Sie ist das Beste, was wir haben und das zwischen Menschen geht. Sie trägt das Wissen der Alten und die Ideen von Wirklichkeit und Welt. An ihr hängt Erde und Flußwasser, Fischgeruch und Leichenruch. Da sind Hymnen, da ist Jagdgesang. Hochzeitsbrauch und Gegegegegegenwart. Die kann auch was. Aber was? Sie kann sprechen, schreiben, labern, singen, preisen, stammeln, stottern, jubilieren, flüstern, wispern, exklamieren. Sie verdankt das und führt es fort. Ich bin für Dankbarkeit. Aber wem das nicht gefällt, möge verbessern. Ich bin gespannt, wie gut sich das spricht und wie stark es aus sich leuchtet.
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