Jemand singt im Haus – das ist wohltuend. Geräusche von Schritten über mir. Ich lenke mich ab mit einer Spielfilmserie zu einem Thema, das mich nichts angeht. (The Crown) Der Tag hat wunderschön begonnen. Sonne, Licht und Leben. Als sei ich von den Toten auferstanden. Man darf mir helfen. Aber die Beine sind noch müde und die Schritte gehen nicht wie sonst. Der Winter wiegt schwer nach. Dazu dieses Nachrichtengeflatter, ich denke an Tauben und aufgeregte Hühner. Aber – Ehre und Achtung den echten Hühnern! Dies hier (wovon ich rede) tun Menschen: Aufregung erzeugen, ohne selbst aufgeregt zu sein; Aufgeregtheit unterstellen und sie bedienen; professionelle Arbeit leisten in einem Herstellungsverfahren innerhalb der mittlerweile hinreichend bekannten Aufmerksamkeitsökonomie; dies noch übergossen mit falschem Gefühl und einem ermogelten „wir“. Journalisten sind nicht wir. (Die Leute, mit denen ich mich unterhalte, sind sämtlich vernünftig, ruhig und gefaßt.) Emsig und fleißig haben sie da eine Blase gepustet, die Treibenden und die Getriebenen, und keiner von beiden vermag zu sagen, wer wer ist. Medienwirklichkeit ist Wirklichkeit dritten Grades. Es hat große Journalisten gegeben und gibt es sicher noch, aber Aufgeregtheit lautet keines ihrer Attribute. Tüchtige Gesinnung steht jeder Berichterstattung im Weg. Wir werden weiter die Toten zählen und in die Sonne blinzeln.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.