Manchmal möchte ich mich anders haben, als ich bin – auch anders schreiben, als ich schreibe. Ich wünsche mich ausgeglichen und stets überlegt, nicht mehr heftig, nur noch gestillt. Ich möchte dann, in diesen törichten Augenblicken, ausgeglichen und wohl bedacht sein: auch im Schreiben. Aber Schreiben ist Teil des Lebens, und als es schreiben noch gar nicht gab, weil die Schrift erst noch erfunden werden mußte, war schreiben nichts anderes als sprechen, sagen, ausdrücken, benennen – Wort für Wort, Satz für Satz, vermutlich damals schon tastend und wagend, nach vorn greifend ins Dunkel eines Weges, der durch die Schritte sich erst ergab. Nein, denke ich darüber nach, möchte ich gar nicht abgeklärt sein und auch nicht allzu oft so klingen. Ich bin unterwegs in Etwas, das ich noch nicht kenne. Daher manchmal dieses Zittern und Zagen, eine Verhaltenheit, auch Furcht vor dem Abgrund. Dann schieße ich Worte ab auf das Gespenst, das ich für kurz nur im Nebel erblickt habe, und könnte beim besten Willen nicht sagen, was das gerade war … Ich glaube manchmal, daß wir keine Ahnung haben, wer wir eigentlich sind, nicht die Spur einer Ahnung. Ich kann das auch auf mich nehmen und sagen: nicht die Spur einer Ahnung, wer ich eigentlich bin. Ich kann sie nicht haben (Spur einer Ahnung), da ich erst dadurch, daß ich lebe, erfahren kann, wer ich eigentlich bin. Jeder lebt seine eigene Offenbarung.
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