Lavalampenausbruch

Bestand nicht das halbe Leben aus Sitzen? Jetzt besteht es aus noch mehr Sitzen. Sitzen und glotzen. Bildschirmtätigkeiten, Bildschirmtätlichkeiten, Bildschirmtäglichkeiten. Mit uns kann man es ja machen, heulten einst die kleinen Bürger. Heute reißen sie sich um Bildschirmtätigkeiten, und die, die bereits tätig sind, stehen gar nicht mehr auf. Ohne Bildschirm sieht man nichts von der Welt. Ich bin auch schon in diesen Schlamassel hineingeraten und bediene den Bildschirm mit Texten. Ich tue das, ich mag das. Aber ich will nicht den Tag vor einem Bildschirm verbringen, ich will zurück in die Landschaft. Vor ein paar Tagen stahl sich eine Spaziergängerin zur Seite und führte ihre Hand an die Rinde einer mächtigen Platane. Ich lief weiter und tat so, als sähe ich es nicht. Wir sind hier in Neukölln und neuerdings scheu und verklemmt. Das liegt an den vielen neuen Leuten, die trauen sich nichts und bewachen deshalb die anderen. Konkurrenzdenken schadet. Man kommt aber nicht um sich herum, ich hoffe, das tröstet. Erblickte ich früher, schon ein bißchen her, einen Punk, dachte ich sofort an den Spießer, der er werden würde (oder sie).


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