Nun habe ich plötzlich Mitleid mit dem Winter. So sehr sehne ich jedes Frühjahr sein Verschwinden herbei, die Kapitulation. Wintergeneral. Dann tanzen die Flocken im Taktschlag des Windes und wirbeln hilflos und lustig herum, man könnte lachen, aber mir ist nicht nach Gelächter zumute, denn da kapituliert eine Macht. Eigentlich müßte ich mich verbeugen und den Abschied so vornehmen, wie er angemessen erscheint. Ich könnte nicken und flüstern: Bis zum nächsten Mal. Der Tod tritt auf und ab. Daß wir leben, ist die Unglaublichkeit. Am Wintertod kann ich mich jedes Jahr messen, und im frühen Frühjahr erweckt mich und werde ich wiedergeboren im Gewaltakt des erneuerten Lebens. Dieser Tage und Wochen taumle ich als ein Abbild meiner selbst durch die Straßen und Sätze, die ich sage, und hoffe auf Routine. Dabei bin ich nicht das Abbild meiner selbst, sondern der, der wiedergeboren ist. Mir scheint, der Sinn für Verwandlungen ist abhanden gekommen nach all dem Gerede über Identität. Der Winter trägt Uniform, nun hängt sie in Fetzen. Wilde Truppen stürmen ein, fegen vorüber, sind schnell wieder fort. Da kommt was.
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