Weit verbreitet die Furcht, falsch zu sein … falsch zu fühlen, falsch zu denken, falsch zu handeln. Falsch ist das Gegenteil zu richtig. Richtig heißt, wonach man sich richten kann. Aber nicht nach sich selbst – sondern den anderen? Welchen anderen? Wonach richten sich die denn?
Furcht, nicht dazuzugehören. Furcht, einmal allein zu stehen. Furcht vor Einsamkeit, Isolation. Furcht davor, zum Abschuß freigegeben zu sein. Also den Schutz der Vielen suchen, sich unter sie mengen und die „Mitmacht“ genießen. „Nur wer mitmacht, hat Mitmacht“ (Slogan der Berliner Landeszentrale für politische Bildung). Eigentlich stammt das aus einem Gedicht von Stefan Döring, 1989.
Ihr Leben lang habe sie sich illegitim gefühlt, gestand mir eine Nachbarin im Mietshaus vor etlichen Jahren. Sie hat dann geheiratet, damit ihre Tochter eine Familie bekomme. Ja, man steht blank da, wenn alle Augen auf einen sehen. Auch der Mensch ist ein Gruppentier, halb Truppjäger, halb Schaf. Man sollte ihn fürchten.
Ich setze dem und ihm etwas entgegen, es lautet: Niemand ist hier falsch! Es hieße, sich ein zu kleines Bild vom Ganzen zu machen, wenn es nicht alles enthalten kann. Das Ganze ist das Große. Das Große ist die Welt als Wirklichkeit. In ihr ist jeder zuhause. Aber das Gruppentier möchte ein- und ausgrenzen. Es wird sich nicht daran hindern lassen. Ein übliches Verfahren im Weltspiel. Näht euch Fahnen, ihr Eifrigen.
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