Zur Kunst und ihrer Aktualität

Man muß es jetzt machen, später tun und wissen „es“ alle. Macht man es nicht, herrschen Not und Mangel.

Mit den Vorurteilen seiner Zeit zu spielen und sie zu überlisten ist eine Art Grundgebot.

Wer tut, wie ihm geheißen, ist aus dem Spiel. Eine gehorsame Kunst erzeugt Denkmäler des Gestrigen.

Es gibt keinen Gehorsam, nur formale Beherrschung der künstlerischen Techniken und die geistige Durchdringung des Problems.

Was das Problem ist, definieren nicht die sogenannten Medien, sondern die eigenen fünf und mehr Sinne, also das existentielle Wachsein.

Es ist hohe Zeit, daß die Kunst in ihr Eigenrecht eintritt wie in einen verlassenes Heim oder einen verwaisten und halb verfallenen Tempel.

Sie tut das nicht, um zu regieren. Das kann sie nicht. Nicht im Faßbaren kann sie herrschen, nur im Unfaßbaren wirken.

Kunst bedeutet freies und gestalterisches Tun. Dinge in die Welt setzen, als seien es Wesen. Sie schafft mächtige Symbole. Und siehe da, sie leben.

Die Welt ist ein Garten, und in ihm geraten die Künste. Nur zwischendrin knirschen die Banausen mit ihren Zähnen und Stiefeln und treiben seriösen Mumpitz.

Nur Kunst kann heilen, das hat sie von der Religion. Jedes Kunstwerk ist Beschwörung.

Beschwörungen, darauf läuft es hinaus. Um den herumirrenden Geistern ein Heim anzubieten. So werden sie sichtbar und trauen sich das: sichtbar zu sein wie nahezu ansprechbar.

(Ich bin mit dem Ende nicht zufrieden. Aber es ist gut, mit dem Ende nicht zufrieden zu sein. Es gibt nämlich kein Ende, der Deckel bleibt offen, und das Leben ist kein Sarg.)


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