Hermannplatz, U7, gestern

Als ich unten ankam, sah ich schon, was los war. Sie standen da wie vorgestern und die Monate oder Jahre zuvor, trugen aber keine Masken mehr. Von einem Tag auf den anderen ein neues Bild. Rückkehr der Gesichter in den öffentlichen Personennahverkehr. Ein herzliches Willkommen. So können wir uns wieder sehen, während wir sicher und gemeinsam durch den Raum gefahren werden. Noch immer kein freedom day, las ich, da in Arztpraxen und Krankenhäusern und Obdachlosenunterkünften weiterhin die Maskenpflicht gilt. Ich bin kein Schuft, der Böses unterstellt. Doch auf diese Weise vermasseln wir uns die Freude über das Ende dieser Angelegenheit, die einigen übel mitgespielt und anderen geholfen hat, an den Rand des eigenen Verstehens vorzudringen. Am Ende verband uns solide gewirktes Halbwissen. Nun sind wir einen Schritt weiter und hoffen vielleicht, ich jedenfalls, auf eine gute und breite wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Affäre in C. Doch das schreibe ich hier ja seit einem Jahr. Als ich unten ankam, mußte ich lachen. Das sieht euch ähnlich, dachte ich, unspezifisch adressierend: von einem Tag auf den anderen das Verhalten zu ändern, weil es nicht mehr verboten ist. Fast fiel ich auf die Knie vor jenen, die doch noch eine Maske trugen, an diesem nur für dieses kleine und beschränkte Land denkwürdigen 2.2.


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