Wir leben hier

Es hat seine Temperatur, die Straße kocht nicht. Ich muß hinunter zum Platz. Dort entzündet sich das Leben und quetscht sich in die Kanäle. Ich finde den Einstieg, weiß schon, wo ich bin, habe alles dabei. Schon wieder sind da menschliche Körper, unaufhörlich wieseln sie sich durch. Katinka sagte, das seien Untote. Man müßte sie filmen für eine Nachwelt. Nachrichten rieseln trübe aus den Gefäßen. Das Fahrzeug vibriert leise. Wo auszusteigen ist, weiß der gelenkte Körper. Mein Verstand sitzt auf ihm wie ein Zaungast. Habe ich hier immer schon so gelebt, so strängig, so gängig, so berechenbar in festen Zeiten und Längen und Breiten? Die Treppen hinauf, die Treppen hinunter. Musik hilft nicht. Texte zerflirren. Ich bin nicht bei Verstand. Schalte um auf Routine, die greift und hält. Ich weiß, wohin ich muß – weiß auch, wohin ich soll. Schreibe an die Wand das Wort Dilemma.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Wir leben hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert