Kurz nur, aber stark

Hat man das gierende und auf Selbsterfüllung bezogene Interesse verloren, beginnt die Liebe. Das ist vermutlich schwer zu verstehen. Doch es lernt sich mit den Jahren. Schließlich wird verstehbar werden oder sein, was mit Liebe zwischen Menschen gemeint sein könnte. Liebe handelt nicht von Angst, sondern von Hoffnung. Sie bindet nicht, sondern entfesselt. Sie gibt selbstlos und rechtet nicht. Ist sie fehl am Platze, ist sie die erste, die das spürt. Menschen vermögen zu lieben, doch sie sind nicht die Liebe. Die Liebe ist in ihnen und außerhalb ihrer. Liebe ist der Strom und die Verbindung, die solcher schafft für das heilige und seltene und gefährdete Leben. Es ist gar nicht so eindeutig klar, daß uns Liebe schützt und wiegt und vorantreibt. Liebe könnte verschwunden und ausgetauscht sein durch ihr Gegenteil. Ihr Gegenteil wäre der Haß. Eine Figur aus den Alptraumlandschaften der Hölle und der blutversauten Geschichte der Menschheit. Die Liebe errichtet Altäre, zündet Kerzen an, baut Brücken. Der Haß flucht und zischt sich ein, sinnt auf Rache. Daß er zu lieben nicht vermochte, gerät ihm zur Pein. Wer kann, nimmt die Hassenden in den Arm.


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