Zum Gedanken gehört immer auch der Gegengedanke, zur Idee die Gegen-Idee. Sie beide in den Blick zu nehmen und auf ihre Berechtigung hin zu untersuchen, bedeutet denken. Sie als Teil eines Ganzen zu sehen und zu verstehen, führt nahe ans Geheimnis der Lebensprozesse überhaupt. Auch die Mengenverteilung ist zu beachten – nicht zu viel, nicht zu wenig. Es ist wie beim Kochen oder im Spiel. Man muß Maß und Mitte des Handelns finden – mal mehr, mal weniger. Mitte bedeutet Balance – sitzen im Schiff alle auf einer Seite, kentert es. Wo Mitte und Maß nur Mittelmaß ergibt, befindet man sich nicht auf der Höhe des Problems. Unser Geschichtslehrer damals drängte auf Ausgewogenheit, ich war ihm zu radikal. Er verstand nicht, daß manchmal ein Gegengewicht nötig ist, um in die Balance zu kommen. So erinnere ich noch heute, wenn auch seltener als früher, an die abwesende oder verschwiegene Position. Aus einem Sinn für das Ganze und das Zusammenspiel ihrer Teile und Kräfte.
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