Der Sommer ist die Zeitlosigkeit. Endlose Nachmittage. Die Sonne scheint gar nicht mehr unterzugehen. Dazu diese Hitze, ab morgen wieder Wärme genannt: als solle man gebacken und verspeist werden. Sinnliche Tage. Schweiß und Erschöpfung. Herzschlag. Man hängt herum und spürt die Ausdehnung der Zeit. Der Raum ist voll von Zeit. Jede Minute klebt an der Haut. Erstaunlich, wie wenig es zu denken gibt, zu reden kaum. Einen Sonnentag überdauern, abends vielleicht raus. Vor den Cafés sitzen und die anderen Menschen sehen, die auch versuchen zu leben auf ihre Weise. Wird es regnen? Ja, es wird dermaleinst regnen. Auch kühler kann es werden. Der Sommer ist kein Schmusetier, er ist ähnlich brutal wie der Winter. Ich genieße die Langeweile wie eine Endlosmassage. Endlich winke ich ab. Die Hitze sperrt mich ein. Nur die Wildtiere müssen draußen sein. Ich gedenke derer, die heute arbeiten müssen, stelle mir die Autobahn vor und Tankstellen. Oder die Streichholzwälder rund um Berlin, Kiefernmonokultur, das Knistern des Grases im Steppenland Brandenburg. Sandgruben, Truppenübungsplätze, Stacheldrahtverhaue. Steige hoch du roter Adler. Badeseen, Strände, Pommes. Und am Himmel steht das Wetter.
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