Feuer, Flamme, Explosion

Zurück in der sinnlichen Wirklichkeit, die Böllerzeit hat begonnen. Erste Signale eine halbe Stunde vor Mitternacht, nun ein weiteres Hörereignis kurz vor eins des Nachts. Entzündet man einen Böller und es knallt, ist das ein Akt der Selbstwirksamkeit. Entschluß zur Tat, Handlungsvollzug, Wirkung. Wer bin ich, Jugendliche zu verurteilen? Irgendwoher haben sie das Zeug bekommen, hoffentlich verstümmeln sie sich nicht. Suppige Vorweihnachtszeit in der Stadt der totalen Diesseitigkeit. Ich meditiere. Schon ist Sonntag, die Christen feiern Advent. Dritte Kerze für ein Zählen.

Feuer, Flamme, Explosion

Blicke

Mir ist, um das noch anzufügen, als nähmen die Religionen Gott nicht ernst. Zwar unterstellen sie sich einem Willen, wie vielfach bekundet wird, doch verharren sie in Ritualismus. Sie könnten nur mit Not plausibel erklären, warum ausgerechnet ihre Gottesversion die richtige ist. Sie operieren mit Argumenten der Herkunft und Überlieferung. Dem sei so, intellektuell ist es dürftig. Mir ist, als könnte längst verstanden sein, daß Gott anders zu konzipieren ist als noch vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Daß Gott ein Konzept ist, wird Widerstände hervorrufen. Auch das liegt in der Ordnung des Verstehens. Wie nennt man das Größte, das uns enthält? Welt oder Universum, höre ich. Doch was soll gemeint sein mit Sinn, Wahrheit, Schönheit, Qualität? Lediglich menschliche Attribuierungen oder Projektionen? Okay, fragen wir weiter: Woher kommen die? Ich höre bereits die Rasenmäher, die schneiden auf eine Höhe. Man hört schon recht gut, wenn man annimmt, daß ich Gott und die Götter gegen die Vereinnahmungen der Religionen verteidigen möchte. Was können wir sinnvollerweise unter Gott verstehen?

Blicke

Deshalb schreibe ich

Im Film stehen zwei Männer an der Bar und kippen sich ein paar hinter die Binde. Sie sind Polizisten, sollen für Recht und Ordnung eintreten, haben Dienstjahre hinter sich, die Praxis schlägt jede Theorie, sie sind ausgebrannt, desillusioniert, bitter. Die Geschehnisse, an denen sie kauen, sagt einer der beiden, seien vermutlich nicht mehr als ein kosmischer Witz. Darauf einen Schluck. Währenddessen geht hinter geöffnetem Fenster ein nächtlich spontaner Regenguß herunter, nicht im Film, sondern hier vor Ort. Das hat nichts zu bedeuten, es gibt keinen Zusammenhang. Nur daß er soeben entstanden ist.

Deshalb schreibe ich

Wächter

Ich liebe diese unerwartet milden Tage im Dezember. Als sei ein Frühling möglich über Nacht. Entsprechend regnet es. (Denn ich lernte, daß der regenärmste Monat des Jahres der November ist, was gute Gründe hat.) Tropf tropf tropft es von den Dachrinnen, der Teerpappe, den wilden Bäumchen. Von oben nach unten. Diese milden Tage machen übermütig, ich muß ein wenig bremsen. Der Terracotta-Armist sieht mich an, nichts in seinem Gesicht verrät eine Regung.

Wächter

Harz

für Michael

Von den Bergen geträumt. Ich wollte dem Freund den Harz präsentieren, das sollte was hergeben. Also setzte der Traum oben was drauf und malte ein Gipfelpanorama, das den Alpen glich. Bergkämme, schroffe Wände, steil in den Himmel weisende Gipfel. Ich selbst war überrascht, hatte den Harz anders in Erinnerung: bucklig, grob und bewaldet. Fichtenmonokultur, düstere Täler, eingezwängte Orte. Zwergenlandschaft. Und nun dies. Wie lautete das Wort – majestätisch, oder erhaben. Ich war sehr stolz auf die Verwandlung.

Harz

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Eine Wonne zu erfahren, was ich eigentlich möchte. Ich will nämlich nur das Eine. Was wäre denn das Weitere oder Andere? Man geht nicht gefahrlos in die Bars des abnehmenden Mondes. Jemand prophezeit mir gratis eine Zukunft und malt sie negativ. Das Leben sei Verfall und Siechtum. Schnapp dir, was du kriegen kannst, glaub mir. Gibt mir jemand einen Ratschlag, höre ich weg. Oscar Wilde wußte, was mit guten Ratschlägen zu tun wäre: Weitergeben. Man fummelt in mir herum wie an offenem Herzen, die Operation soll ohne meine Zustimmung stattfinden. Ich meine es gut mit dir, beteuert der Fachmann des Eingriffs.

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