Ab nach Schilda

Gott, wie festgeritten hier alles ist. Wo befindet sich die Weite, die ich suchen könnte? Engstirnig, engbrüstig, engherzig. Bibbernd, zitternd, zappelnd. Ein Verdauungsapparat in Aufruhr, die Medien vibrieren im Takt der ausgestoßenen Säfte und Gase. Die Gegenmedien machen mit und tanzen sich daran hoch. In gemeinschaftlicher Problemumschlingung stürzen sie nieder und beklagen die Scherben des Angerichteten und finden zur Einsicht: Jemand muß schuld sein. Potztausend schlägt die Glocke der ewigen Erkenntnis. Schilda ist ein guter Ort, sie brauchen dort noch Leute, die bestimmen wollen und können. Ich platze intellektuell und spirituell aus allen Nähten, ich könnte dort siedeln am Rande der ausgangsblinden Stadt. Zum Bürgermeister wollte ich es nicht bringen, eher zum Vorsitzenden des Taubenschießvereins.

Ab nach Schilda

Box

Am schlimmsten (quälendsten) sind die Gespräche, die ich mir hätte sparen sollen. Dabei weiß ich und sage es: Laß die Leute in Ruhe. Jeder versteht in und spricht aus seiner Box. Nicht anders ich. Was außerhalb solcher Begrenzung liegt, verdient Aufmerksamkeit. Meistenfalls wird es in die Enge der Box gezerrt und dort gierig verschlungen wie ein Stück Wild. Allesamt gieren wir nach Bestätigung. Das macht uns dirigierbar. Mittelfinger dorthin. Wasser trinken. Blumen gießen. Sich versöhnen. Nacht ist nun, mild und leise. Die Reise geht weiter.

Box

Neunter Monat

Endlos November. Seit einer Endlosigkeit, die an Ausweglosigkeit grenzt, nur noch November. Wann und wo endet diese Schlange, dieses nasse Kabel, dieser trübe Faden? Novembergrau, Novemberwind, Novembergeburtstage. Ich bin bereits vor dem Winter platt und ergebe mich. An Gratulation ist kaum zu denken. Wem denn wofür? Nun gut, tief einatmen, ausatmend sprechend. Gelobet und gepriesen seien die Novembergeborenen, unter denen ich einige Freunde habe. Sie haben es nicht leicht, ich stehe ihnen bei nach Kräften. Diesmal nicht oder selten. Wir sind die Totgerittenen, wir wiehern wie getroffene Pferde. Ich meine das psychisch-mental. Dies ist nicht eine Pfeife.

Neunter Monat

Wundnaht

Halte dich an das Schöne, sagen sie. Ich kenne welche, die sehen oder hören sich Nachrichtensendungen grundsätzlich nicht mehr an. Einkapselungen, Verbunkerung. Ein Unheil kommt selten allein. Andererseits verdrießt solches Wort, denn die Ereignisse, die uns fürchten machen und in die Apathie treiben, sind nicht schicksalhaft, sondern Ergebnisse politischen Handelns und Entscheidens. Heil und Unheil sind die Möglichkeiten des gleichen Spiels. Bevölkerungen haften für ihre Eliten. Wir werden sehen, was uns die Auserkorenen präsentieren, beidseits der Grenzlinie zwischen Trivialität und Bestialität.

Wundnaht

133 Wörter, 1 Minute Lesezeit

Kräfte kehren zurück, Zuversicht bleibt stecken; sie hängt im Fahrstuhlschacht kurz vor der dreizehnten Etage; der Fahrstuhl klemmt, will weder auf- noch abwärts. Sie rütteln ihn, sie schütteln ihn. Nichts zu machen. So feiern wir den Totensonntag ohne sie. Bleigraue Gremien gurgeln sich ihre Positionen zurecht, die Nachwelt wird sie bestaunen. Jemand spricht vom dritten Weltkrieg, als sei das ausgemachte Sache. Vielleicht wollen diese Zivilisationen ja vernichtet werden, vielleicht ist das ihr Auftrag. Wir sind aufgeblasen bis kurz vor dem Knall. Es ist eine Unlust, solches zu notieren, und dies nur der Vollständigkeit halber. Ich sehe jemanden barfuß laufen einen langen kalten Psychiatrieflur auf der Suche nach der Toilette hinten rechts oder links vor dem Fenster nach unten. Mir ist wohl, wenngleich ich friere. Sie hatten schöne Raketen, wird man über uns sagen.

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Nicht nur er sie es

Ganze Tage voller Regen, lange Nächte auch. So tröste ich mich. Es ist schmal um die Worte geworden. Mir ist wohl im Herzen, wenn Nahes und Erreichbares besprochen wird. Sogenannt Grundsätzliches ist außer Reichweite. Ich lebe unter Menschen, bin es selbst, soll es sein, versuche es: Mensch zu sein. Was für ein Wort, kaum ein Begriff. Begriff hieße, begreifen zu können: ein Objekt als Subjekt sich selbst … Kaum wird das Erkennbare erkannt, schon verzeichnet es sich. Die Fehler sind wichtig, sie bedeuten leben. Sind die Fehler futsch, fehlt der Mensch.

Nicht nur er sie es

Die Aufgabe

Da ich unter Zerschundenen lebte und von ihnen einer zu werden drohte, es zu Teilen bereits war, erkannte ich endlich, daß ich selbst die Freude sein müßte. Länger als Wochen bereits drang ich nicht mehr zu ihr durch. Durststrecken sind solche des Vegetierens. Man beginnt sich aufzugeben, Rückzüge finden statt. Außenposten werden eingezogen, schließlich wird man krank. Schlimme Zeit, schlimmer Zustand. Außen und innen spielen ineinander. Völlig unklar, von welcher Wirklichkeit und Wirksamkeit die Angelegenheit ihren Anfang nahm. Das Resultat scheint klar: man ist im Arsch. Da es nicht endlos dunkel sein kann, erwachte ich während einer Fahrt in die Vor- und Außenorte, benannt nach Dörfern und Fabriken. Wozu es mich gibt, fragte es. Um zu lächeln, sagte es. Sing das Lied der Zustände.

Die Aufgabe