Allgemein
Am Rande des Harzes
Dreißig Jahre her, beinahe schon, da erklärte uns eine Medizinstudentin während einer Autofahrt, daß Träume nichts anderes seien als Überreaktionen oder Fehlfunktionen des Hirns. Ich war damals schon begeistert.
Nächtliches Wandern
Ich war auf Mondsuche. Einmal hing er neben der Keksfabrik kaum über der Horizontlinie, als traute er sich nicht hervor ob seines Aussehens, eine halbe Stunde später stand er über den Dächern des südöstlichen Blickfeldes und schimmerte matt in der Farbe verblichener Hoffnung. Ich nickte ihm zu und nahm mir vor, endlich Sizilischer Brief an den Mann im Mond von Ernst Jünger zu lesen. Ich bin nicht mondsüchtig, doch unsere Mutter war somnambul, eine Schlafwandlerin. Das hörte auf, als sie erwachsen war und Kinder gebar. Liest man nach, was die derzeitige Forschung darunter zu verstehen vermag, ist man unterrichtet.
Aus dem Zusammenhang 391
„Wenn das Ergebnis einer Handlung nur Chaos ist, müssen wir annehmen, es war Absicht.“
Pflicht und Schande [2019], S1 E1
Neuerdings siezt man mich
Der Lampenschirm sieht aus wie eine Landkarte, nur daß die Bezeichnungen fehlen. Ideale Landschaft. So wie uns selbst, bevor man Namen zuteilte und Bedeutungen. Namen sind ein erschlossenes Gebiet der Sprachwissenschaft, wird deklamiert. Niemand soll sich unnütz sorgen. Landschaften sind teils noch unerschlossen. Hier wären Anschlußleistungen zu erbringen. Machen Sie sich keine Sorgen. Erneut diese Stimme wie aus einer Parodie.
Stahlhelm im Hühnerhof
Leute können töten, weil sie nichts voneinander wissen. Sie töten den anderen als ein Nichts, ein feindliches Irgendwas ohne erreichbare Bedeutung oder Geltung. Daß die, die töten, nichts von denen wissen, die sie töten, ist Teil des Programms. Man nennt das Ausbildung. Auch solche Bildung wird vorgenommen, in jeder Armee oder Anti-Armee, in jeder Truppe. So läuft das. Deshalb bedarf es der Regeln. Sie sollten in jeder regulären Truppe verbindlich sein. Dann gibt es die Sonderkommandos, von denen niemand irgendwas weiß. Die finden in den Spielfilmen statt. Das Publikum staunt. Dort, in den Filmen, ballern sie dauernd. So gewöhnt man sich daran und greift in die Chipstüte. Ein Problem während der laufenden Kriege: daß die verfeindeten Soldaten sich fraternisieren, demnach ihre angebliche und gesteuerte Feindschaft nicht mehr verstehen. Schon wird eingegriffen. Höre ich Kriegsromantik, ist mir nach Kotzen. Unsere Vorfahren entstammen solchen Desastern des sogenannten Heldenmuts. In jeder Familie steckt einer der Wissenden, notfalls im Keller, eher auf dem Dachboden. Dort schimmelt nichts.
Diesseits und jenseits der Laufmauern
Die Gegenwart gibt mir Rätsel auf. Als befände ich mich in einem Labyrinth und müßte innerhalb einer festgesetzten Zeit ins Freie gelangen. Dafür muß ich die jeweiligen Hinweise und Zeichen richtig deuten. Das ist schwer, ich schwitze. Ich stolpere weiter. Ereignis auf Ereignis stellt sich ein. Bedenke dies, vernachlässige bitte nicht jenes. Und weiter, denke an dein Ziel. Andere sind längst woanders, machen schon gar nicht mehr mit. Dein Problem, bedauern sie. Mein Problem, nehme ich an. Winken wir uns. Schon rase ich erneut durch die Gänge, folge der Idee eines Ausgangs, weiß exakt, wie man es macht. Der Trick funktioniert nur, wenn das Labyrinth korrekt gebaut ist. Ist es das nicht, womit zu rechnen ist, bedarf es der Intuition. Ob die hilft, ist strittig. Alles Wesentliche ist strittig. Ich krieche weiter, heute ziemlich heiter. Reime sind mir eine drittletzte Lust.
Nachtwind
Mir ist, als müßte man erneut über Götter sprechen. Insbesondere über Göttinnen. Eine Eingebung des Nachtwinds.
Die Waschmaschine ist gebraucht
Wind, Wetter, Wolken. Einmal ließen die Wolken die Sonne durch. Das große Feld funkelte im goldenen Licht des abendlichen Sonnenuntergangs. An den Nachbartischen des Gartens, in dem ich saß, besprachen sie die Ereignisse. Sie wurden eingeordnet und sicher verstaut. Die Weltbilder sind stabile Ungeheuer. Man kann ihnen nicht ans Bein pissen. Ich kann hierhin oder dorthin mich wenden, sie werden nicht aufhören rechtzuhaben. Geschäftsleute ihrer Geschäfte. Mich stört das schon gar nicht mehr, ich gehe davon aus. Der Anschlag ist erfolgt, nun bemühen sich die Politischen, ihre Claims abzustecken. Schuld sind stets die anderen, wen hätte das überrascht. Zurück zum Wetter. Da es heute regenfrei sein wird, hängt Wäsche auf dem klapprigen Wäscheständer. Den habe ich verbogen eines Nachts, als ich stürzte und mich an ihm abzustützen suchte. Leiser Wind. Man hört die Welt atmen.
Aus dem Zusammenhang 390
„Am Ende müssen immer die Dealer dranglauben, oder? Was ist mit den Eltern? Selbst schuld, wenn sie ihre Kinder nicht von Drogen fernhalten.“
Legends [2026], S1 E4