Mir ist schon so, als segelte ich durch die Gegend und die Tage, nicht recht zuhause mehr irgendwo, vielmehr schwebend über mancherlei Orten, nicht setzen mich mögend, lieber noch, mutiger Schmetterling, etwas höher hinauf, von wo sich übersehen läßt, ob dort und hier nicht erneut die Schwirren herumsicheln mit ihrem Zentimeterverlangen nach Rasenmähermaß. Ein gestaltetes Leben einnehmen und verteidigen, bloß wo. Liegen die Straßen lang und leer, Fernsehgeflimmer aus den Fensterlöchern, der Mond ist noch da, ein alter Kumpel, der sich zu verstecken weiß und selten ganz zeigt. Sein volles Antlitz, Narbenkrater, könnte verschrecken oder zu Schlimmem verführen.
Allgemein
Die Welle im Kreis
Ich höre die Wörter Bücherverbrennung und Gedenken an die Bücherverbrennung und weiß sofort: erst verbrennen, anschließend gedenken. Erst töten, dann flennen. Erst vertreiben, massakrieren, vernichten – dann Denkmäler und Museen errichten, eine Erinnerungskultur installieren, damit die einstige Volksgemeinschaft ihre eigene Verbrechensgeschichte nicht vergißt. Es wäre doch klüger, man würde gar nicht erst wahnsinnig. Dann müßte man später nicht derart viel aufzuholen und aufzuarbeiten haben. Wie also hält man sich selbst in Maß und Mitte, und was geschieht mit einer Gesellschaft (lustig-luftiges Wort), die das notorisch-periodisch verlernt?
The Johnny Cash Show
Indem wir die Bedingungen sichten
Die Weite des Weltraums interessiert mich kaum, sie beschäftigt mich wenig. Den Sternenhimmel bestaune ich von unten und irdisch. Ich stehe auf der Erde und stehe fest. Zugleich weiß ich, daß ich auf dieser guten alten Erde durch den Weltraum rase. Daß mir das kein Ungemach einträgt, verdanke ich Konstellationen, die nicht selbstverständlich sind. Leben verdankt sich günstigen Bedingungen. Man kann solche Gewißheit kalt kassieren und gedankenlos sagen: Ist halt so. Das ist ähnlich häßlich gedacht wie vor Jahren, als jemand, den ich kenne und mittlerweile sogar mag, vorschlug, den März einfach zu überspringen, also zu streichen. Solche Aussagen verletzen, notfalls mich. Leben heißt staunen. Wenig von dem, was uns geboten ist, versteht sich von selbst. Die Generationen, in denen wir verweilen, gleich welchen Alters, werden sich der Nichtselbstverständlichkeit des Lebens widmen.
Das kann man aushalten 2
Es gab einen, der war nicht einmal zwanzig, und es ergab sich, daß wir in seiner Heimatgegend, nicht fern des Harzgebirges, einen nächtlichen Spaziergang antraten und hinaufsahen in den sternenvollen Himmel, und er gestand, daß ihm das das zuviel sei und er sich angesichts der funkelnden Pracht erniedrigt fühle und nichtig, unerträglich nichtswürdig. Für diese Aussage habe ich ihn sofort besonders gemocht, wenngleich sie mir fremd ist.
Das kann man aushalten
Noch ein Satz, der mich rührt: „Es gibt keine bessere Medizin als einen Himmel voller Sterne.“ (Yellowstone, S3 E1) Schon erinnere ich mich.
Sich Zeit nehmen und geben
Schwach sind die, die stets tun, was lediglich das Beste für sie selbst ist. Diesen einleuchtenden Gedanken verdanke ich den klugen Autoren der Serie Yellowstone. Den Umkehrschluß möchte niemand ernsthaft antreten, ich bin mir sicher. Was also ist gemeint? Die Aussage zielt auf die Soziabilität des Menschen, die sich, wir wissen es längst, politisch mißbrauchen läßt. Aus einem Mißbrauch lassen sich allerdings schwer Umkehrbeweise gegen den Gebrauch antreten. Es gibt das eine und das andere. Ich möchte den Gedanken der Aussage positiv nutzen. Das Beste für mich selbst wird das Gute für die anderen sein, nämlich diejenigen, mit denen ich lebe, oder diejenigen, die betrifft, was ich tue. Nicht zeitaktuell kann das entschieden werden. Manches Verhalten wartete zweihundert Jahre oder mehr, um sinnvoll zu werden.
Bis auf die Knochen
Wissen, daß man nicht weiß
Von der Corona-Krise, die eine Informationskrise war und ist, können wir fortan gemeinschaftlich profitieren. Ich weiß sogar, wie das funktionieren kann. Wir bilden Wahrheitskommissionen, wie damals in Südafrika. In ihnen kann vorsprechen, wer zu Schaden gekommen ist und durch wen. Diejenigen, die anklagen, treffen auf die, denen die Anklage gilt. Es geht um Schuld und Vergebung, nicht um Vergeltung oder Rache. Patienten dürfen sprechen, Ärzte sollen sprechen, Politiker, Wissenschaftler und Funktionäre werden zu hören sein. Man sollte daraus ein großes Ding machen, eine Zeremonie zur kathartischen Reinigung. Am meisten würde mich interessieren, aus welchen Motiven die Menschen sich haben impfen lassen. Noch immer weiß niemand genau, was jene Impfung in den Körpern anstellt. Halten wir immerhin das den Wissenschaften zugute: sie wissen es nicht.
Bestimmungsgrößen
Wenn Politik sich wissenschaftlich begründet, wird Wissenschaft Teil der Politik. Wenn Wissenschaft sich politisch ausrichtet, wird Politik Teil der Wissenschaft.