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Taktisches Reden ist anstrengend. Man sagt dieses, um jenes zu meinen, verläßt sich darauf, daß angemessen verstanden wird. Diplomatensprache. Zensierte Sprache. Mit sieben, mit dreizehn Jahren spätestens sind wir derart eindressiert, daß wir wissen, wie es läuft. Sage niemals „die Wahrheit“, sprich nicht aus, „wie es wirklich ist“, sondern sage es angemessen. Angemessen an die Machtverhältnisse, zugemessen der Stelle, die entscheiden kann über Wohl und Wehe des eigenen Lebens. Das mögen die Eltern, das mögen Lehrer, das mögen Vorgesetzte sein. Was für ein Verlust an echter Information, müßte man als Nachrichtenmann sagen und klagen. Wie schade, daß derart viel verschwiegen wird. Demgegenüber die Machtmenschen, die sich freuen, wenn ihr Drucksystem funktioniert und die Untergebenen nur noch von sich geben, was erwünscht oder wenigstens nicht zu bemängeln ist.

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Im Stillstand knattern laut die Motoren

Die Trump-Litanei beginnt von neuem. Als habe sich seit 2015/16 nichts geändert. Keinerlei intellektueller Fortschritt auf Seiten derer, die ihn zu bekämpfen vorgeben. Sie machen ihre Politik und ziehen sie durch, bunkern sich ein, ducken ab, halten sich für die Gerechtfertigten und moralisch Überlegenen. Das ist die Arroganz der Macht. Trump ist ihr Spiegelbild, ihr Clown. Und wieder zieht er durch die Lande als der einzig Gerechte, als der Verfolgte, als der Märtyrer der Entehrten. Geht es so weiter, und wenig spricht dagegen, wird er der nächste Präsident der Vereingten Staaten von Amerika. Herr, laß es Geist regnen auf dieses wichtige Land, möchte man bitten. Doch die Verhältnisse sind derart eingeschweißt, das Personal offenbar derart servil oder debil, daß Besserung vorerst nicht in Sicht ist. Auf republikanischer Seite – Bunkermentalität. Wir graben uns ein. Deshalb gibt es Krisen, sie sollten die Heilung einleiten.

Im Stillstand knattern laut die Motoren

Unverstand und Begräbnis

Politische Ermattung. Es geht keinen Zentimeter voran. Die Regierung mißversteht die großen Demonstrationen gegen rechts als Zustimmung zu ihrer Politik. Seltsame Stimmung im Land, nicht erst seit Wochen. Etwas steht auf der Kippe. Niemand weiß, wohin es kippt oder stürzt. Alte Ängste rufen sich auf. Behaupte niemand, es gäbe keine Gespenster. Was sind Gespenster? Gespenster sind unbestattete Tote.

Unverstand und Begräbnis

Die Frau mit dem eisgrauen Haar und den eisgrauen Augen

Mir vorzustellen, daß ich einmal nicht mehr bin, fällt nicht sonderlich schwer. Ich denke an unsere Großmutter, die mehrfach anmahnte, wir würden uns noch umschauen, wenn sie einmal nicht mehr sei. Es geschah dann auch, sie war tot, eines Tages im Jahr 1974. Zuletzt hatte sie die Dinge und Reihenfolgen der Arbeiten auf dem Hof durcheinander gebracht. Verkalkung des Hirns, erklärte man uns. Ein Fegeblech (Kehrblech) hat nichts im Kühlschrank verloren, mittags geht niemand hinüber zum Nachbarn und holt frische Milch (gemolken wird morgens und abends). Ich war zu jung, um traurig zu sein, als sie starb. Eher war ich erleichtert, denn es schien ihr nicht recht, wie ich war. Sie machte mir Angst. Sie wird eine der ersten sein, denen ich gegenübertreten möchte, wenn es einen Ort nach dem Tod gibt. Ich denke bereits jetzt, daß wir beide uns werden entschuldigen wollen. Ich dafür, daß ich nicht unglücklich war, als sie starb, sie dafür, daß sie nicht zeigen konnte, daß sie uns vielleicht doch mochte, meine Brüder und mich.

Die Frau mit dem eisgrauen Haar und den eisgrauen Augen

Verstümmeln

Wer hat denn an dir herumgequält? denke und schweige ich oft beim Anblick lieber Menschen, so wie man zärtlich die Hand auf die Rinde eines Baumes legt, der bei der Baumpflege verschandelt worden ist, oder einen ausgesetzten Hund betrachtet, dessen Blick um Erbarmen bittet. Oder bist du auch böse wie die anderen, fragen die wehrlosen Augen.

Verstümmeln