Aushalten 2

Eine Wonne zu erfahren, was ich eigentlich möchte. Ich will nämlich nur das Eine. Was wäre denn das Weitere oder Andere? Man geht nicht gefahrlos in die Bars des abnehmenden Mondes. Jemand prophezeit mir gratis eine Zukunft und malt sie negativ. Das Leben sei Verfall und Siechtum. Schnapp dir, was du kriegen kannst, glaub mir. Gibt mir jemand einen Ratschlag, höre ich weg. Oscar Wilde wußte, was mit guten Ratschlägen zu tun wäre: Weitergeben. Man fummelt in mir herum wie an offenem Herzen, die Operation soll ohne meine Zustimmung stattfinden. Ich meine es gut mit dir, beteuert der Fachmann des Eingriffs.

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Dezember und Bescherung

Ich habe nun dauernd Tränen in den Augen und wische sie fort. Es sind Tränen der Rührung. Dauernd heißt: alle paar Tage, beinahe täglich. Immer wenn Menschen etwas Schönes tun, das ihrer Freiheit liegt, ihrem Wunsch entspricht. Es geschieht dauernd, ich werde noch verrückt vor Glück und Entzücken. Hat man uns nicht beigebracht, der Mensch sei eigennützig und selbstverliebt und ichbezogen. In diesem Jahr ist es, jedenfalls dieser Wochen, als könnten sich die Menschen endlich einmal lassen. Wie schön die Gespräche gehen, wie leicht auch die Worte. Die Gesten sind verstanden.

Dezember und Bescherung

Ideen stolzieren über hinweg

Beim Wort Menschheit stutze ich und zucke zusammen, jedoch nicht, weil ich schreckhaft bin. Ich frage mich nur: Wer soll das denn sein? Kann jemand von denen sprechen, außer anmaßend zu sein? Antwort: nein. Die Menschheit spricht durch diejenigen, die sich das trauen! würde man antworten. Also reden wir neuerlich über Befugnis und Macht, meinetwegen Selbstermächtigung, und sei es die einer Institution. Sofort weiß ich, daß ich ganz woanders sein und dort mit den Leuten über so etwas wie Menschheit sprechen möchte. Hey Mann, was ist los mit dir? Warum Menschheit, sind wir dir nicht genug? Denk nicht nach über Leute, die du nicht kennst.

Ideen stolzieren über hinweg

Mehr als zwei sind eine Gruppe

In einer Gemeinschaft gehört jeder dazu, man läßt niemanden liegen oder tritt über ihn hinweg. Daß man Teil einer Gemeinschaft ist, läßt sich spüren. Manchmal gibt es einen inneren Kreis, um den sich ein äußerer Kreis legt, vielleicht sogar ein dritter. Menschen suchen und schaffen Gemeinschaften, da sie gruppenbildende Wesen sind. Es liegt in ihrer Natur. Gruppe und Gemeinschaft bedeuten, daß jemand dazu gehört oder nicht. Zugehörigkeit entscheidet sich nicht nach Wunsch. Der Geist einer Gruppe ist das Verbindende, nicht irgendwessen Einzelheiten. Dürfte man den Geist benennen? Bei natürlichen Gruppen niemals, bei programmatischen immer. Ist demnach das Programmatische nicht natürlich? Nun ja, zweite Natur vielleicht. Menschen sind vielschichtig natürlich Wesen. Die Schichten heißen dann Kultur.

Mehr als zwei sind eine Gruppe

Darauf ein Ständchen

Ich bin kein Freund von Maskenbällen. Dabei liebe ich Masken, insbesondere die schauerlichen und grotesken. Venezianische Schnabelmasken, außereuropäische Ritualmasken. Ich möchte auf sie blicken und verkennen, ihre Aussagekraft bewundern, selbst jedoch keine tragen müssen. Ich schließe daraus, daß ich niemand anderes sein möchte. Man könnte das gegen mich wenden: daß ich niemand anderes zu sein mir vorzustellen wage. Ich bin aber, qua Imagination, alles Mögliche, wozu es keinerlei Maske bedarf. Wir sind, falls ich verallgemeinern darf, jederzeit sonstwas und keinesfalls dieses kleine Bißchen, daß man uns als Persönlichkeit zuzuschreiben versucht, insbesondere durch uns selbst.

Darauf ein Ständchen