Zermürbend

Es geschah etwas, das sie selbst einen leeren Fick nannte. Der Körper machte noch mit, die Seele ging stiften, der Geist stellte sich tot. Mechanistisches Geschehen. Das Feuer war ausgebrannt. Sie benötigten eine Pause. Ferne erzeugt Sehnsucht. Du wirst mir fehlen, wußten beide. Liebe ist noch nie hungers gestorben, sagte man ihnen.

Zermürbend

Topos 2

Vielleicht hätte auch aus mir ein Bequembürger werden können – etabliert und saturiert, satt, sauber und gemästet, auf eine Weise zufrieden, die Unheil aufziehen fürchten läßt. Das Schicksal, so nenne ich das, hat mich davor bewahrt. Ich mußte suchen und irren, mich verlaufen, niederschlagen lassen, wieder aufrappeln, durchhalten, kämpfen, um Geld betteln. Das gehört dazu. Ich kenne keine Zeit, in der es nicht schwer war, im Sinne von schwierig oder zum Verzweifeln. Oft denke ich, daß die eingerichtete Wirklichkeit, wie ich sie antreffe, eine Installation ist, die mich recht eigentlich nicht betrifft. Noch immer suche ich einen Platz in ihr oder verzichte bereits darauf. Man muß nicht im Tal wohnen, es gibt noch die Berge. Dies ganz unverbiestert angemerkt. Es ist, wie es ist. Kein Makel. Ich werfe niemandem irgendwas vor. Gehe jeder seiner Wege.

Topos 2

Wie es hier zugeht

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Wie es hier zugeht

Geistesgegenwart

Dieses nervöse Schnauben und Schäumen, dieses Scharren mit den Hufen, die doch nur schmale, weiche und menschliche Füße sind – woher kommt denn dies? Ich erlebe Menschen wie von Sinnen, höre sie, irgendwie notgedrungen, Aussagen treffen, für die sie sich wenige Jahre vorher noch freiwillig eingewiesen hätten. Die Corona-Affäre besorgte eine Radikalisierung der Mitte, einen Extremismus des maßlosen Handelns. Seit dem drehen die maßgeblichen Leute hier schon wieder durch. Kann das denn einmal aufhören, bitte. Scharren, schäumen, schnauben. Verlassen wir gemeinsam allmählich mal den öden Reiz-Reaktions-Behaviorismus. Ich setze keine Frage-, keine Ausrufezeichen mehr, die spare ich mir für die Zeit nach der Katastrophe, wenn wieder niemand was gewußt haben konnte und darauf verwiesen werden wird, daß alle einer Meinung gewesen seien und daß man später immer schlauer ist. Es ist aber durchaus nicht interessant, später schlauer zu sein als vorher, sondern trivial und beschämend.

Geistesgegenwart

Sinn und Frage, umgekehrt auch

Es müßte doch geistige, sagen wir: intellektuelle Explosionen geben – anstelle der militärisch-politischen. Es müßten doch diejenigen, die klar zu denken sich zutrauen, einander begegnen und sich verbinden und in Worten darstellen können, daß die begonnenen und aktiven Kriege niemals gewonnen werden können, für keine Partei an keinem Ort. Mag sein, daß die existierenden und agierenden Kräfte sich eruptiv entladen haben und anschließend vernichtend ausbreiteten, insofern explorativ sind und sich nur unter langem Druck bilden konnten. Solche Vorstellungen entstammen allerdings der geophysikalischen Sphäre, nicht einer genuin menschlich-körperlichen, also sinnlichen. Das Sinnliche ist das Empfindende. Es speist die Sinne und über sie den Sinn. Der Sinn ist das Bedeutungverleihende, eine hohe Auszeichnungs- und Unterscheidungsinstanz. Deshalb wird sie zuweilen ausgesetzt.

Sinn und Frage, umgekehrt auch

Nicht enttäuscht, nur ernüchtert

Etwas scheint in mir vorzugehen. Ich möchte etwas weiter und deutlicher hinaus. Nicht ins offene Meer schwimmen und untergehen. Nicht hinauf in die Sterne auf einer technischen Mission. Nicht in endlose Introspektionen zur Erforschung der Innenwelt eines Außenwesens. Solche Expeditionen sind einstweilen abgegolten. Ich bin mir nicht sicher, was dieses Hinaus bedeuten mag. Vielleicht eine Sprengung meines Weltbilds – doch ich verfüge über keines, muß es unterwegs verloren haben. Hinüber käme gelegen, doch ich benötige keine Transmission. Investoren setzen auf, so nennen sie das oder lassen es nennen: gesellschaftliche Transformationen hier und da, doch mich interessiert der verbundene und sich zu verbinden wissende menschliche Geist in der Natur, sichtbar und sicherlich gebunden an lebendige Leiber. Warum sonst sollten wir uns füreinander interessieren. Bald werde ich auf Dachfirsten entlanglaufen und Lieder singen, etwas Derartiges steht doch an.

Nicht enttäuscht, nur ernüchtert

Wo Sprechblasen sind, ist auch Leben

Man fragt mich nicht, ich zähle nicht, ich spreche trotzdem. Mir sind die Konflikte öde, mich langweilen die Standpunkte, ich gehe demnächst angeln. Angeln interessiert mich ebenfalls wenig, aber vielleicht wäre es schön, eine Zeitlang schweigend neben einem zu sitzen, der eine Schnur in das Wasser hält in der Hoffnung, daß etwas anbeißt. Manchmal erblicke ich schöne und stolze Gestalten mit edlen Gesichtern und wäre fast schon bereit, sie sprechen zu lassen – dann schrecke ich zurück, fürchtend, neuerlich auf ein ungefähres Allerlei und branchenübliche Phrasen zu stoßen. Andererseits ist das Allgemeine das Uninteressante. Im Besonderen ereignen sich die Überraschungen. Der Überbau ist gegen Regen und Bomben, unten rasselt der Verkehr.

Wo Sprechblasen sind, ist auch Leben

Außerhalb des Innerhalb

Mag sein, daß man beim Mannschaftssport einer Mannschaft angehören möchte oder muß, dann alles zu tun bereit ist, um ihr zum Sieg zu verhelfen. Doch im politischen Wettkampf?

Sicherlich ist er härter und grausamer als der sportliche. Andererseits – die Unerbittlichkeit kann sich ähneln. Nur daß es beim Sport nicht um Leben und Tod geht. Doch es gab bereits Fußballkriege.

Es lockt zu Vergleichen, wenn in Berlin die Schlachtenbummler der Meinung sind, die Stadt hätte Platz nur für eine Mannschaft: entweder Union oder Hertha. Sie verwechseln die Stadt mit ihrem Herzen.

In den umkämpften Gebieten der derzeitigen Kriege soll auch nur eines seinen Platz haben – das andere möge hinfort gehen, bekämpft werden und vernichtet sein. Derart denkt und fühlt es sich entlang und beidseits der Linie.

Widerwillig lese ich die schnaubenden Einlassungen und hämischen Kommentare der Entschiedenen. Schlimm können die Parteigänger sein. Der Haß ist ein Selbstvernichtungsvorhaben, freigeschaltet durch Nichtverstehen.

An die Verantwortlichen des Verantwortbaren: Treibt nicht die Menschen gegeneinander, mäßigt die Interessen, verzichtet auf den Endsieg. Den gibt es nicht. Es existiert keine Glorie solchen Zuschnitts.

Außerhalb des Innerhalb

Geschwächte Position

Bewirft man dich mit Dreck, wirf nicht mit Dreck zurück. Beleidigt man alles, was dir heilig ist, beleidige nicht zurück. Die Höhe des eigenen Fühlens, Denkens und Handelns sollte nicht vom Gegner bestimmt werden. Allerdings mag er es versuchen oder wird es. Sich ein niedriges Niveau aufzwingen zu lassen ist eine widrige Erfahrung. Man möchte sie kein zweites Mal erleben. Der Klügere gibt nach, lehrte man uns. (Du hast recht und ich meine Ruhe.) Doch so einfach ist es nicht. Manchmal muß der Klügere handeln, gezielt und unmißverständlich. Daß er in Händel geraten ist mit Erniedrigenden, gibt zu denken.

Geschwächte Position