Ich bringe die Musik nicht in meine Wohnung, die Musik ist meine Wohnung. Meine Wohnung ist meine dritte Haut. Die erste kann man mir abziehen, die zweite kann ich täglich wechseln. Hier klingt es laut und stark. Unheilverkündend wie ein Gewitter, plötzlich die Klärung, mächtige Schritte des Durchhaltens während einer Wanderung. Über allem ein grau schimmernder und menschlicherseits unberechenbarer Himmel, Wolkenjagden darin oder darauf. Natürlich machen wir weiter, das ist doch keine Frage. Ich komme aus einem Abend, gerate spät in die Nacht. As Falls Wichita, So Falls Wichita Falls.
Allgemein
Wie ich in der sechsten Klasse den Jazz kennenlernte und zu lieben begann
Nicht einmal eine Frage
Jetzt sieh uns an. Wir sind die Kinder und Enkel der Enttäuschung. Uns kann doch niemand mehr täuschen. Wir sind die endgültig Enttäuschten. Nicht aus Lust oder Neigung, sondern aus Pflicht. Wir sind die Kinder des Schreckens und der Schrecklichkeiten. Man müßte vor uns erschrecken, sähe man einmal, daß wir das sind und bleiben. Was kann aus uns noch geschehen. Wir schleppen hier durch, tragen einen Leichnam ohne Namen, finden schon ein Grab.
Ihr Jubel
Zu den Tatsächlichkeiten: Wir sind hier froh über ein bißchen Regen. Jeder Tropfen auf dem Zinkblech der Fensterbank stimmt froh. Der Flieder blüht bereits, wir sind zwei Wochen vor der Zeit. Ich erwarte die Mauersegler, um den fünften Mai sollten sie eintreffen. Guten Flug, fremde Freunde.
Exhumiert (Man spürt bereits den Leerlauf)
Zuzu
In einer verwegenen Bar am Tresen zu sitzen und zu verfolgen, was geschieht, hat vorzüglichen Rang. Es ersetzt endlose Erörterungen über die Natur des Menschen. Verhaltensbiologisch ist etliches einzufangen. Auch sprachwissenschaftlich läßt sich lernen, soziologisch eine Milieu-Idee überprüfen. Mir ist recht unklar, warum die Bars derart weggedrückt und puritanisiert werden. Die Wahrheit nimmt selbst in einem Scheißhaus platz, und jeder weiß es. Man rümpft in gewissen Kreisen die Nase, möge man rümpfen. Alles gehört zu allem, doch das zu verstehen scheint Mühe zu bereiten in einer Kultur der vornehmen oder abgründigen Abtrennung. Nicht mein Problem. Ich habe andere.
Mondtag
Schnurstracks durch den Feiertag und ihn hindurch in den nächsten. Jesus ist nicht umsonst gestorben, ich laufe ruhig die Straßen entlang und über Felder und gedenke seiner: des fürchterlichen und zugleich erstaunlichen Endes, das er fand (als hätte er gesucht) oder das ihn ereilte (als Strafe, als Quittung), ein skandalöses Ereignis bis heute. Es pocht nach. Mir ist Ostern ein schreckliches Fest, da es blutet und nach Gruft und Verderben riecht. Ich möchte Jesus in den Arm nehmen und trösten, sogar bewahren vor dem Mißbrauch, der getrieben wird mit einem, der als Wanderpoet nichts anderes tat, als die Wahrheit zu sagen, rein und klar, unmißverständlich. Er ist nicht der einzige solcher Größe und Klasse, andere gingen voraus oder folgten auf jeweils eigener Bahn. Die Geschichte des Menschen ist nicht zuende.
Obliegt
Manchmal ist es auch so in unserem kontrollierten und unkontrollierbaren Lebensspiel, daß wir zwischenzeitlich vergessen, daß die anderen mitspielen. Kaum fällt es einem ein (mir), verfalle ich in Wonnen der Erleichterung.
Besser später als nie
Mit dem Glück ist es eine Sache. Am besten läßt sie sich auf der Straße ausmachen. Geh weiter, dreh dich nicht um. Fragt jemand nach, weißt du von nichts. Fragt niemand nach, umso besser. Morgen ist morgen, heute ist heute. Wir sehen uns.
Wir wissen doch alles
Ist dir schon mal aufgefallen, daß sie alle Angst haben? fragt die Stimme. Ist dir schon aufgefallen, daß sie sogar Angst davor haben, Angst zu haben? setzt sie nach. Ich nicke lustlos, bin müde, möchte heim. Angst ist ein hochwirksames soziales Gift, zischt sie. Es zersetzt die Beziehungen, zertrennt Familien, zerspellt Freundschaften. Die Regentschaft der Angst mündet in Gewalt. Das ist ein Ozean aus Blut. Möchtest du mich begleiten in die Gefilde solcher Herrschaft? Wir können auch ins Museum gehen und Bilder ansehen, wie es dort geschah, als die Angst die Schrecklichkeiten freischoß. Die Stimme wird leiser. Ich weiß, daß du das weißt, sagt sie. Doch nun komm mit, ich zeige dir, was niemand weiß. Was weiß denn niemand? frage ich.