Übungen 3

Die Zeit, in der wir leben, scheint ermuntert zu haben, uns selbst nicht sonderlich ernstzunehmen. Der ironische Zwiespalt ist Charakteristikum zweier Lebensjahrzente im konsumistischen Weltall einer imaginären Allverfügbarkeit. Die Kinder des Jetzt wissen es bereits besser. Die Ironie-Falle stellt sich nicht länger, die Tatsächlichkeiten drücken auf Leib und Leben. Wir benötigen ein anderes Denken und Sprechen, das dem Fühlen, das wir fühlen, entsprechen kann. Man spricht von Augenhöhe – okay, dann aber mal los. Im Fahrstuhl fühlt es sich bequem an, die Etagen zu erreichen. Sie sind numeriert.

Übungen 3

Übungen 2

Ermüdende und langweilige Leute. Ich frage mich, wer zu wem eigentlich in Opposition stehen soll. Spießbürgerliche Ansichten links und rechts. In diesen geistfernen Zeiten, hieß ein Pamphlet von Hans Wollschläger, einem Arno-Schmidt-Gefährten und Edgar-Allan-Poe-Übersetzer. Das war zur Zeit der Kohl-Ära in einem restaurativen Jahrzehnt – bis die in Deutschland etwas schamhaft und defensiv „Wende“ genannte Revolution stattfand. An ihren Folgen doktert ein Großteil der nicht durch Tod und geistige Kapitulation dezimierten Intelligenz herum und kommt zu erschütternd schwachen Ergebnissen. Wie der Osten tickt, wie der Westen und so weiter. Und gleich weiter zur Alternative, die sich nicht sonderlich bücken muß, um einzusammeln, was die anderen Spießerparteien liegen gelassen haben. In Blödsinnigkeiten und Enge verhaftete Leute jodeln und prahlen auf mich ein und verkünden Siegesgewißheit, dies- und jenseits des Anstandszauns und der Brandmauer. Das macht mich traurig, könnte ich schreiben. Doch ich will nicht auf Mitleid hinaus. Das aktiviert mich, regt mich an, sorgt für Aufruhr.

Übungen 2

Übungen 1

Die Debatten entsaften mich. Ich vermag keinerlei Kraft aus ihnen zu ziehen. Was soll das denn werden, wenn man recht hätte? Erbärmliche Triumphe, aufgelatzt den einstweilig Unterlegenen. Die Siege sind ohne Ehre, weshalb es vorzuziehen ist, zu den schönen Verlierern zu zählen. Traurige Geschichten sind zu erzählen. Die Mondsichel ist geschärft, der Nachthimmel ist klar und hoch. Dort draußen ist eine Wirklichkeit, die menschliches Maß übersteigt. Wir sind dort eingehängt, wissen aber nicht, wie. Manche fühlen sich klein und unbedeutend vor dem Sternenhimmel. Ich staune empor wie ein Kind, gleichwohl ich sechzig Jahre schon alt sein soll. Das Phantastische ist mir nicht genommen. Ich singe Jubellieder auf die Schönheit, Rätselhaftigkeit und Größe der Welt.

Übungen 1

Erschütternd

Es war heiß, es war drückend. Der Sommer steht im Land, breitbeinig wie ein Landnehmer. Am Himmel wird versucht zu reagieren. Wolkentruppen ziehen auf, ziehen ab. Bewölkung signalisiert Bedrohung. Es kommt zu keinem Durchstoß. Unten auf dem Asphalt und fünfzig Zentimeter höher auf den Sitzen vor dem Café spielt solches Gerangel keine Rolle. Die Frauen wirken anziehend auf die Männer, auch umgekehrt offenbar. Befangenheit macht fast schon blind. Was es mit den Geschlechtern auf sich hat, verstehe ich erst jetzt. Gott, wie wir uns abkämpfen im angeblich befreiten Raum. Gott hier eingespielt als Wahrheits- und Berufungsinstanz, nur damit klar ist, daß ich nicht ins Obskure abzuwandern gedenke. Vielmehr ist mir, als sei noch gar nicht ausreichend verstanden, was mit Gott gemeint sein müßte, damit eine Rede von Gott irgendeinen Sinn ergibt und nicht erneut deprimiert, deklassiert, illusioniert.

Erschütternd

Wir suchen weiter

Ob das schlechte Gewissen eine Tugend ist, wäre zu fragen. Vielleicht doch nur das Echo auf eine Missetat, wäre zu antworten. Immerhin ein Echo aus dem Innern der handelnden und sich vergehenden Person und nur dann, wenn die Besinnung nicht eigens angemahnt werden mußte. Ist das wichtig? Dauernd verzapfen (handwerksprachlich) wir irgendwas, auf das wir nicht stolz sind. Bis das einmal endet. Das sich selbst verantwortende und verantwortbare Ich ist eine leuchtende Fiktion, die Epoche heißt Aufklärung. Aufklärung ist Derivat von klar. Je näher man einer Person oder Sache kommt, desto unklarer wird sie. Aufgeklärt zu sein bedeutet nicht, Bescheid zu wissen. Information ist nicht Wissen. Dazu wird sie durch Erfahrung.

Wir suchen weiter

Geister, die verfolgen

Ich bin nicht sicher, doch ich meine zu bemerken, daß unsere Kultur sich herumlungernd und wartend abquält und einen Abfluß sucht für die in ihr angestauten Energien, auch solche der Frustration. Sie sucht eine Richtung, und sicherlich soll sie technisch sein. Denn Technik können wir gut. Siehe alles, was dazu beiträgt, daß dieser Text gesendet und empfangen werden kann. Das grenzte von Anfang an an Zauberei. Wohin kann sie diesmal entkommen? ließe sich fragen, wenn man akzeptiert, daß Fortschritt die einzige Option ist, die dem progressiven, also voranschreitenden Geist entspricht. Fortschritt ist Flucht nach vorn, nur daß undeutlich bleiben muß, wovor geflohen werden soll.

Geister, die verfolgen

Positive Grenze

Sie sagen der Tod, und dann ist Schluß. Das klingt wie eine Erleichterung. Sie wäre zweifellos verdient. Man möchte sich nicht länger quälen. Endlich einmal soll Schluß sein und Aus die Maus. Daß darauf kein Verlaß ist, quält die Bewußtseine. Es sei denn, man wäre sich sicher.

Positive Grenze

Am Arsch

Selbst Künstler sind beunruhigt, daß sogenannte Künstliche Intelligenz sie ersetzen oder bessere Erzeugnisse hervorbringen könnte. Das zeugt von gehöriger Verwirrung bezüglich dessen, was ein Kunstwerk ist und diesbezüglich ein schöpferischer Mensch. Ich hole tief Luft und versage mir die Belehrung. Wie tief sind wir gesunken. Das ist keine Frage mehr. Daher die Heiterkeit, die mich befällt.

Am Arsch

Kein Internet

Wenn die Dinge sich festfahren, wird es interessant. Das erleben wir derzeit. Die alten Rezepte und eingebleuten Parolen simmern ab. Politisch sowieso, kulturell ebenso. Das Kulturelle ist entscheidend – wie wir tun, was wir tun. Deshalb ist der Totenkult entscheidend. Der Blick geht vom Ende zum Anfang, niemals umgekehrt. Niemand kann sein Ende sehen. Man hat die Leute gegeneinander in Stellung gebracht mit Hilfe gräßlicher Parolen. Nun beruhigen sich die Beunruhigenden und die Beunruhigten. Das bedeutet nicht, daß anschließend Ruhe eintritt. Wo Menschen agieren, ist selten Ruhe. Doch Gespräche werden wieder möglich. Hat lang genug gedauert. Bin nicht gespannt, was die sogenannte Künstliche Intelligenz ausspuckt, wenn gefragt würde, was Kultur ist. Übrigens bin ich für das Experiment. Sollen die Menschen doch mal schauen, wo sie bleiben.

Kein Internet