Der fatale Übergang

Die Geräusche im Ohr sind wieder fort. Der Körper gibt stets die Signale, daß etwas ist. Ich lebe in einer gewissen Anspannung, manchmal erwarte ich das Schlimmste. Politisch gehen die Dinge schief, doch dazu scheint Politik da zu sein. Sie bringt mich um mich selbst, wenn ich nicht aufpasse. Übergib keines der dir wichtigen Themen der Politik, dann kannst du sonstwas erleben. Der fatale Übergang. Ich wurde dazu gebracht (dazu hat man Freunde), in ein kleines und anmutiges Kino zu gehen und einen Film anzuschauen (ich habe zugestimmt und war voll banger Erwartung), der sich dem Stierkampf widmet: Albert Serras Tardes de Soledad (Nachmittage der Einsamkeit) über den jungen Matador Andrés Roca Rey.

Der fatale Übergang

Aus dem Zusammenhang 353

  • Das Median-Gehalt von CEOs weltweit ist zwischen 2019 und 2024 um 50 Prozent gestiegen, während die Durchschnittslöhne von Arbeitnehmer*innen um nur 0,9 Prozent zulegten. CEOs verdienten 2024 ein Median-Gehalt von 4,3 Millionen US-Dollar.
  • In einer Analyse von 56 der umsatzstärksten deutschen Unternehmen lag das Median-Gehalt von CEOs 2024 bei rund 4,4 Millionen Euro, was einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Im selben Zeitraum stiegen die Reallöhne von Arbeitnehmer*innen in Deutschland um nur 0,7 Prozent. Damit wuchsen die Gehälter der Manager*innen 30 Mal stärker.

Oxfam Deutschland, Pressemitteilung vom 30.4.2025

Aus dem Zusammenhang 353

Schatten spenden

Früher saß ich im Garten und habe geschrieben. Es gab da einen Platz unter einem Baum. Dann haben sie den Baum gefällt, und dann war da im Sommer kein Schatten mehr und also auch kein Platz für mich. Eines Sommers waren alle Pflanzen dort draußen vernichtet, das hatte eine Arbeitskolonne verrichtet innerhalb von nur zwei Stunden. Das geschah während einer dieser heißen Sommer. Nur die Rosensträucher ließen sie stehen, die hatten Geltung, ansonsten war alles braun und verbrannt. In jenem Sommer mußte ich die Vorhänge mit Wasser einsprühen, so heiß wurde es ohne die schattenspendenden Bäume und Sträucher. Man soll den kleinen Hinterhofgarten in Frieden lassen. Jetzt wächst dort wieder was, ich finde Schatten und traue mich hinaus. Alle sagen, es wird ein heißer Sommer. Man könnte die Geschichte dieses Hauses und seiner Bewohner schreiben.

Schatten spenden

Weiterrobben

Endlich, nach Tagen, kommt der Kopf mal frei, so daß es sich anfühlt, als könne gedacht werden. Was ist denn los. Dies nicht als Frage, sondern als Klage. Wohin sich wenden, was ist zu tun? Schon denkt der Kopf sich seine Richtungen aus und assistiert dem Leben, das sich in meinem Körper aufzuhalten scheint, allerdings nicht dort allein. Ich stelle mir soeben vor, daß ich nichts mehr kann und brachliege. Die Kerze flackert, die Koinzidenz ist unheimlich. Tiefnachts nun, Zeit zu schlafen, zu träumen, aufzuräumen. Es ist gut, bei sich zu sein.

Weiterrobben

Das Gegenwärtige

Allein die Absicht verstimmt … Ein alter Merksatz der Selbstbehauptung aus dem Tagebuch. Man kommt von selbst darauf, wenn man lebt. Er handelt von Unschuld und ihrem Gegenteil. Spiele machen keinen Spaß, wenn das Ergebnis bereits festgelegt ist. Das Passende und Angemessene soll sich aus der Gegenwart und dem lebendigen Augenblick ergeben, nicht vorgeplant, eingeplant oder manipuliert sein. Kontrolle spricht von Angst, Vertrauen spricht vom Gewährenlassen, nämlich jenem des leuchtenden Augenblicks. Soll das persönliche Leben von Angst oder von Vertrauen geführt sein. Es ist vielleicht nicht frevelhaft, Absichten zu verfolgen. Vielleicht decken sie sich mit denen des Gegenüber. Besser vielleicht sogar nicht. Man weiß nie, sagt der Volksmund. Ohne Absichten zu sein ist edel.

Klingt fast wie ein Satz aus dem I Ging. Doch beim I Ging handelt es sich um nichts Geringeres als „Das Buch der Wandlungen“, ein jahrtausendealtes Monument der chinesischen Welt- und Lebensweisheit. Ich habe mir daraus unten zu zitieren gestattet, übrigens aus durchaus unzuverlässigen Übertragungen. Die hierzulande bekannteste und offenbar noch immer stimmige stammt von dem Sinologen Richard Wilhelm (1873-1930). Das Buch der Wandlungen ist durchaus kein Orakel, auch wenn manche es so benutzen mögen.

Das Gegenwärtige

Aus dem Zusammenhang 352

„Wenn demgemäß [oben das Zeichen des Himmels, unten die Bewegung] die Bewegung dem Gesetz des Himmels folgt, dann ist der Mensch unschuldig und ohne Falsch. Das ist das Echte, Natürliche, das durch keine Überlegungen und Hintergedanken getrübt ist. Wo man die Absicht merkt, da ist die Wahrheit und Unschuld der Natur verloren. Natur ohne die Direktive des Geistes ist nicht wahre Natur, sondern degenerierte Natur. Von dem Gedanken des Natürlichen aus geht die Gedankenbildung teilweise noch weiter, und so umfaßt das Zeichen auch noch den Gedanken des Unbeabsichtigten, Unerwarteten.“

I Ging, 25. Wu Wang / Die Unschuld (Das Unerwartete)

Aus dem Zusammenhang 352

Aus dem Zusammenhang 351

„Die innere Erschütterung raubt einem die Besinnung und Klarheit des Blicks, wenn sie aufs höchste gestiegen ist. In einer solchen Erschütterung ist es natürlich nicht möglich, besonnen zu handeln. Da ist es das Richtige, sich stillzuhalten, bis die Ruhe und Klarheit sich wiedergefunden hat. Dazu ist man aber nur imstande, solange man selbst noch nicht von der Aufregung angesteckt ist, während man an der Umgebung schon die unheilvollen Wirkungen einer solchen Erregung beobachten kann. Zieht man sich nun rechtzeitig von der Handlung zurück, so bleibt man frei von Fehlern und Schaden. Aber die Genossen in ihrer Erregung, die sich nicht mehr warnen lassen, werden mit einem unzufrieden sein. Allein darauf darf man keine Rücksicht nehmen.“

I Ging, 51. Dschen / Das Erregende, der Donner

Aus dem Zusammenhang 351

Bewußtseinsstörungen

Unruhe im Kopf, Unruhe im Herzen. Die Nacht liegt ausgebreitet, und auch morgen wird es warm, denn die Sonne hört nicht auf zu wärmen. Dort draußen mag das Leben sein und soll es auch. Thomas Shelby hat soeben seine Diagnose bekommen, die Peaky Blinders sterben weg. Ich sehe ihnen ein zweites Mal beim Sterben zu, beim ersten Mal war ich zu befangen. Da redeten sie hier permanent von Krankheit und Tod, da lenkten sie mich ab. Der Arzt als Bote der Todesnachricht. Wieviel noch? Ein Jahr, bestenfalls achtzehn Monate. Schnell noch ein paar Feinde ausschalten. Danach werden Sie viele liebe Leute brauchen, die bei Ihnen sind. Die Krankheit wächst und beansprucht bald schon alles, was Sie haben.

Bewußtseinsstörungen