So called

Ich wurde gefragt, deshalb antworte ich. Ist das Einzelne im Allgemeinen aufgehoben und läßt sich Erkenntnis nur um den Preis erlangen, daß das Besondere schwindet? Solches Fragen führt ins so genannte Herz, also ins fühlende Bewußtsein. Ich bin nicht, protestiert es in mir, lediglich statistisches Material. Freilich behauptet solches nicht einmal die Statistik, denn wer oder was ich sonst noch bin, interessiert sie nicht. Sie fahndet nach Kennzeichen relevanter Zugehörigkeit und ermittelt Mengen. Mehr nicht. Das Allgemeine existiert als Idee. Von Erkenntnis ist die Rede, wenn eine Erfahrung verallgemeinerbar zu sein scheint. Daraus ließe sich lernen, so die Hoffnung.

So called

Angesichts eines Films

Wir sind ziemlich kaputt, was das Sehen angeht. Das jägernde Auge wird beliefert von allen Seiten, auch ins Gehör wird geliefert. Produkte und Parolen. Missionen und Visonen. Gewerbe und Geschäft. Irgendwer will immer. Angebote und Verbote. Kybernetische Prozesse. Fließrichtungen. Dämme und Kanäle. Durchflußmengen. Wie wäre es, wenn sich Wirklichkeit konsumieren ließe? Man schaltete ab, wenn es einem zuviel wird.

Angesichts eines Films

Maßstäbe

Oft fällt mir schon auf, daß die Leute seltsam sprechen: eingeübt, schauspielerhaft, künstlich. Manche reißen die Augen auf, als sei Erleuchtung oder ungeborgener Schatz. Das macht eine Blitzlichtrampensituation, als würde gefilmt und abgehört. Ich darf, wenn ich kann, sie zurückführen auf die Erde, die uns trägt. Wenig Neues unter der Sonne, doch alles, was geschehen kann, geschieht auch, fragt sich nur, wann.

Maßstäbe

Sollte jeder Augenblick zählen, zählte jeder Augenblick

Autofahrten ergeben kein Bild. Die Bilder sind endlos und werden, kaum geschaut, fortgerissen in Folge eigenen Tuns. Man durchmißt Landstriche wie ein Pfeil, beschleunigt sich selbst dank der Maschine und der gebahnten Bahn nach vorn. Vorn liegt das Ziel, und ist es erreicht, dürfen erst dort die würdigen Bilder sein und bleiben. Deshalb ist eine Fahrt meist keine Reise, es sei denn … Manche wollen schnell ans Ziel, andere zögern solches Ankommen hinaus. Ich liebe die Verzögerungen, die Umwege, sogar die Hindernisse. An ihnen staue ich mich auf und lasse mich erlösen vom Zugriff banaler oder brutaler Linearität. In einem Wartezimmer einer Zahnärztin lernte ich, was die Stoiker lehren. Es regnete nicht hinein, es war geheizt, ein Gemälde hing an der Wand. Ich lief darin spazieren wie auf einem Zahlenhof.

Sollte jeder Augenblick zählen, zählte jeder Augenblick

Vollbremsung

Ist man jung, kann es passieren, daß einen Reichtum und Geldanhäufungen beeindrucken als Ausweis und Beweis von Macht und etlicher Versprechen auf eine gesicherte und prunkvolle Zukunft in ersehnter Sorglosigkeit abseits und jenseits eigener Angst- und Scheiternsvisionen. So wirft man sich an die Liquiden und fühlt sich entschuldigt. Das gilt ebenso bei der Wahl des geeigneten Erwerbs. Warum wenig, wen viel geboten ist. Über die Mengenversprechen reguliert sich das Begehren und setzt Preis und Wert gleich, fast wie in der arglos gläubigen Schweiz. Ein weißes Kreuz auf rotem Grund. Sie sind klug dort. Werte sind wert, also teuer. In Deutschland ist das anders, da quert unaufhörlich Idealismus die Fahrbahn, da ist mit Wildwechsel und Schäden zu rechnen. Niemals mehr als 80 km/h auf diesen Straßen durch die dunklen, langen Wälder.

Vollbremsung

Hölle ist wenn schon hier und jetzt

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – man möchte es wenden. Ich würde das wollen, wenn ich es könnte. Doch, ich kann das für mich leisten. Ich möchte vertrauen und werde bei solchem Vertrauen bleiben. Manche nennen das einen Vorschuß. Sollen sie das tun. Ich schieße nicht vor, halte nichts von solchem Investitionsgerede. Ich vertraue und werde, das sei gesagt, nicht enttäuscht. Wir trauen und vertrauen uns jeweils gegenseitig, und es geht uns gut damit. Niemand wird einen von uns in die Pfanne hauen oder schäbig verraten – das geschieht nicht. Und sollte es geschehen, ist die Person, die es getan hat, raus. Das wäre Strafe genug. Die Verräter schmoren zu Lebzeiten bereits in der Hölle, man sieht es ihnen an.

Hölle ist wenn schon hier und jetzt

Verluste

Würde man mein Leben verfilmen, geriete ich in Schwierigkeiten. Ich habe es leben müssen, woher nimmt sich die Idee, es nachvollziehen zu können. Wozu solcherlei Mühe? Da ich entschwinden werde, wird es doch ein Richtiges haben, daß ich entschwinde. Verfilmen ist ein bezeichnendes Wort.

Verluste