G wie Gruppe – aussortiert werden

Politik wie aus dem Witzbuch. Jahrelang in großem Maßstab etwas tun, was nicht hilft, um anschließend festzustellen, daß es nicht geholfen hat. Bis zu solcher Einsicht, die an sich bereits wenig Intelligenz und Menschenkenntnis erfordern müßte, insofern frühzeitig erfolgen sollte, werden Milliardenbeträge in ein klägliches Scheitern investiert.

Als sich hier geistig nichts mehr bewegte, weil sie, die Verantwortlichen, beschlossen hatten, ein Virus kollektiv auszurotten, indem sie die Menschen in Großgruppen einteilten und entsprechend ihrer Gruppeneinteilung verfügten, wer sich wo bewegen und wer welche Orte betreten dürfe oder nicht, war klar, daß man solche Experimente an der Gesellschaft und am Individuum nur scheitern lassen kann.

Mir war deutlich: Sie ziehen das durch, koste es, was es wolle. Zwei Drittel der Gesellschaft schienen beizupflichten, einige von denen wollten es noch straffer und rigoroser, hätten es gern gesehen, wenn man den Uneinsichtigen zeigte, wo es lang geht. Pandemie der Ungeimpften … Sanktionen, Ächtung, Ausschluß.

Da kommen wir her. Keiner mag es mehr hören. Es klingt häßlich, schrill, überzogen. Ja, es kann dumm laufen. Es läuft insbesondere dann dumm, wenn man es laufen läßt. – Ich erinnere mich der Gefühle, der Zustände, der inneren Lähmungen: einer Art Ausgetriebensein aus sich selbst, eine Stigmatisierung und Demütigung bis ins Innerste.

Der Körper gibt dies erst nach und nach frei. Hin und wieder denke oder hoffe ich, daß ich nun genesen bin, daß der Albdruck jener Zeit von mir weicht. Hin und wieder habe ich schon freie Ideen und Phantasien, erkenne auch die Stadt wieder, die doch eigentlich frei ist oder es zu sein begehrte.

Nichts mehr davon, vor kurzem noch, als sie ihre Ideen in die Tat umsetzten. Sie sind die, die das damals empfahlen, beschlossen, ausführten oder zustimmten.

Ich ergänze: Es gibt Dinge, die tut man nicht, die sollte man niemals tun, selbst wenn man annimmt, man habe derzeit recht – vielleicht weil die halbe bekannte Welt ähnlich poltert und probiert. Aktuell recht zu haben ist eine markante Eintragung ins Witzbuch unter eigenem Namen.

Ich ergänze zweitens: Die AfD forderte zu Beginn des Spektakels, daß schärfere Maßnahmen erfolgen müßten. In der Partei schien man zu befürchten (oder zu hoffen), die Regierenden agierten zu lasch für eine Krise solchen Ausmaßes, und erkannte darin einen Vorteil für das eigene öffentliche Auftreten. Später wendete sich das in ein Gegenteil. Politik ist opportunistisch wie das Leben und der Tod. Sie nimmt, was sie kriegen kann.

G wie Gruppe – aussortiert werden

Traumdeutung

Eine warme, raumausfüllende Müdigkeit. Was mache ich mit der? Sie kam in Worten, ich habe sie hier abgeladen. Es gibt auch eine kalte Müdigkeit, ich ordne sie den Gewaltmärschen und den Straflagern zu. Daß die Menschen ihren Schlaf benötigen, tröstet. Selbst dem Despoten krabbelt die Fliege über die Stirn, eine Spinne seilt sich ab und trinkt Speichel aus dem geöffneten Mund des Allmächtigen. Es gibt Tage, die leben sich wie tiefergelegt. Die Aufmerksamkeit ist dunkler und gedämpfter. Als liefe das Bewußtsein über schwere Teppiche, auch die Wände wären mit bemalter Leinwand bespannt. Schummriges Licht wie zu Zeiten bürgerlicher Gemütlichkeit und verschwiegenen Seelenleids. Stattdessen nun die Schlagkälte nackter Räume im Ausgeleuchtetsein bis auf einen Rest. Dieser durch Verätzung eingeschrumpfte Rest verkrümelt sich in die hintersten Winkel der methodisch erfaßten Person. Es soll kein Geheimnis geben.

Traumdeutung

Die Stunden, die Tage

Ein weiterer Sommersonnentag, eine Liebkosung des Körpers. Wir hier im Land des Lächelns und der Freundlichkeit. Stehen zwei vollbarocke Sofas auf der Hermannstraße zum Abholen bereit. Der Öffentlichkeit spendiert von Privat. Vorher müßte man den Müll von den Kissen entfernen, Getränkedosen, gebrauchte Papiertaschentücher, leere Zigarettenschachteln. In der Untergrundbahn werde ich angestarrt, als würde von mir was erwartet. Am Himmel stand gestern ein Regenbogen, ein zweiter darüber ward begonnen. Heute ist ein Tag für Herz und Trinkgeld. Ich schwebe durch die Stunden als ein Geist. Nur selten frage ich nach. Ein Mädchen steht am Fenster und schaut in den Innenhof der Psychiatrie. Eine mächtige Wolke verdunkelt die Sonne. Das geht vorbei. Ich beschrifte die Gegenstände. Hahn wie Huhn, nur mit a. Die Balkone sind leer, niemand war dort je zu sehen.

Die Stunden, die Tage

Bildkritik

Läuft jemand vor mir her, ein Mann, maximal dreißig, behaarte Beine, Größe und Statur eines Tennisspielers, hat sich auf die rechte Wade ein Trinkgefäß tätowieren lassen, maßstabsgetreu, allerdings zweidimensional. Vielleicht auch eine Thermoskanne, wer weiß. Ich will der Sache nicht auf den Grund gehen. Erstaunliches geschieht und fällt ins Fach der Kulturanthropologie. Was macht das mit ihm, daß er mit einer Flasche auf der Wade durch die Straßen geht? Fällt das jemandem auf, bekommt er Zuspruch, erntet er Ablehnung, interessiert es wen? Aus der Bildzeichnung einer Flasche läßt sich nicht trinken. Dies ist keine Flasche, hätte einem Bildungsanspruch zufolge unter oder über der Darstellung stehen können. Andererseits stelle ich mir vor, ich wollte mich tätowieren lassen und wüßte nicht, welches Motiv zu mir paßt. Vielleicht stände eine Flasche vor mir und ich sagte dem Nadelstecher, sie sei mein Motiv. Aus der Situation und ihrem Sinn und Irrsinn heraus gewählt, einfallslos genial. Ein Übersprung in der Kultur endloser Bedeutungen und Bedeutungsbrechungen.

Bildkritik

Steine, Mauern, Löcher

Der Mann der Macht ist glücklich, er strotzt, es macht ihm Freude. Wenn es ihm beliebt, setzt er die Quälereien fort. Heute wäre ihm lieb, der Untergebene und Gefolterte zeigte sich reumütig und zustimmungsbereit. Dann hätte er, der Großmächtige, Gelegenheit, sich milde zu zeigen und Wohltat zu spenden. Es entstünde für einen Schimmer der Zeit ein Bild, in dem er sich selbst besser erkennen könnte: als ein Gewährender, ein Duldender, als ein Mann von Anstand und Ehre. Doch der Delinquent entzieht sich der dargebotenenen Hand. Beim Schlucken hebt und senkt sich der Adamsapfel spürbat im eigenen Hals. Er wollte dem Widersetzling den Kopf abschlagen lassen, doch der Tag wäre ruiniert. Heute kein Blut, heute nur Gnade. Viel zu viel Zeit verbracht mit einem Hoffnungslosen.

Steine, Mauern, Löcher

Warteraum, Nummer ziehen, warten

Es ist gut, in einen Zustand zu geraten, in dem man sich selbst vollends, wie es scheint, trauen kann. Man könnte vor einen Traualtar treten und Ja sagen, vor höchstem Gericht aussagen, ohne zu verschweigen. Der Mensch ist eine Aufgabe, wir uns selbst umso deutlicher. Vorher war Manövrieren, jetzt geht es allmählich und späterhin ausdrücklicher ans Werk. Die Ablenkungen fallen nacheinander ab, die Konzentration ist unerzwungen. Ich bin an der Reihe.

Warteraum, Nummer ziehen, warten