In den Filmen

Jeder sieht auf seine Weise. Mir wird bewußt, daß ich mich für die Handlung eines Spielfilms nicht sonderlich interessiere, kaum prägen sich mir die Namen der Akteure ein. Wer mit wem sowieso nicht. Ich reagiere auf Gesichter, auf Bilder, auf Farben. Anordnungen von Gegenständen auf einem Tisch, der Rauchfaden, der von einer Zigarette im Aschenbecher aufsteigt und im Licht der Schreibtischlampe Schlieren und Gespinste bildet – und hin und wieder ein einzelner Satz, der aufhorchen macht. Am liebsten sind mir Filme, in denen jemand sich auf den Weg macht. Und immer wieder Landschaften, der große Himmel, die Weite in alle Richtungen. Das Wichtigste am Bild sei der Rahmen – ich verstehe, was gemeint ist. Und weiterhin frage ich, wessen Auge die Kamera sein soll.

In den Filmen

Enthauptung

Insbesondere ist mir eklig, wenn Menschen sich aufplustern. Als ich jung war, dachte ich, solches zu lernen sei Programm. Damit geriete man nach vorn und käme voran. Von Anfang an funktionierte es nicht, zum Glück. Ich habe leidlich versucht, ein Angeber zu sein – vermutlich erfolgreich. Doch was konnte ich angeben, ernsthaft gefragt? Angeben ist eines der interessanteren Verben der deutschen Sprache. Ich sehe lieber gar nicht erst nach, woher es stammt oder was es hat entstehen lassen. Immerhin handelt es vom Geben, nicht vom Nehmen. Wenngleich das Tauschgeschäft intendiert sein dürfte. Sich selbst in Zaum zu halten ist eine hohe Kunst. Man redet von Bildung, ganz recht. Sich selbst zu bilden heißt, sich zu formen und die Vorstellungen nacheinander auftreten und gehen zu lassen. Jeder versteht das.

Enthauptung

Einstweilen noch

Die Stümpereien der Sprache – insbesondere meines eigenen Sprechens und Schreibens. Oh mein Gott! würden die Jüngeren sagen. Hier sei, möchte ich antworten, alles jeweils hingeworfen und angenommen oder abgewehrt sein. Hier finden Spontan-Entladungen statt, nicht abgesicherte Einschätzungen und versiertes Zeug anderer Art. Dafür gibt es die entsprechenden Foren mit Anspruch und gutem Ruf. Hier ist erster Wurf und entsprechend ungenügend. Wie im Leben. Man könnte vielleicht besser, aber man traut sich nicht. Das gibt zu denken und bleibt nicht so.

Einstweilen noch

Ich dachte nicht an den Tag

Man mag die Zuspitzungen, wäre man Journalist. Journalisten arbeiten für den Tag, sie arbeiten nicht auf die Länge eines Lebens hin. Deshalb allein ist es jeweils wichtig – nämlich für den Augenblick. Demnach auch ist es falsch, den Journalisten vorzuwerfen, daß sie exakt das tun, was ihre Berufsbeschreibung für ihre Art des Handelns vorsieht. Eigentlich ein interessantes Metier: Man spricht aus der Situation über sie. Man nennt das Reportage. Sie ist das Prunkstück des Journalismus mit glänzenden Beispielen. Der Rest ist der Rest, also Meinungsmache, Stimmungsmache, Klatsch und Tratsch, kaum mehr. Herausbekommen, wie es wirklich ist? Stolzer Anspruch, ehrenwert ohnehin. Deshalb wollte ich einst, viele Jahre her, Journalist werden.

Ich dachte nicht an den Tag

4:21 Uhr

Nacht nun fast schon durch, frühester Morgen, die Vögel singen zurückhaltend schön. Das große Schweigen nannte das der Vogelkundler, dem ich während meiner Wanderung begegnete, damals vor etwa dreißig Jahren. Das große Schweigen ab Juli, wenn alles geschehen ist, was die Vögel zu tun haben. Daher die Ruhe, das sogenannte Schweigen. Die Kinder sind flügge, die Nester verlassen. Dennoch höre ich vereinzelt Stimmen. Ich bin nicht allein.

4:21 Uhr