Puderfeiner Schnee fällt vom Himmel und trifft langsam ein wie eine Nachricht. Ich glaube an einen guten Gang der Dinge. Von einigen Seiten werde ich korrigiert, verbessern aber kann mich nur das Leben. Es wäre schön, sagt das Mädchen, das die Bilder malt, wenn wir nach dem Tod wieder als Tiere leben können.
Allgemein
Im lautleisen Wartezimmer der Zeit
Noch immer ruhiger und dadurch innerlich stärker möchte ich werden. Noch immer tiefer forschen und dadurch befähigter sein, selbst die „Tiefe der Oberfläche“ zu ermessen. (Ich markiere die Phrase, ein Oxymoron, als Zitat, das ich nach erstem Gedächtnis Egon Friedell zuspreche.) In stürmischen Zeiten wird umso mehr die Ruhe zur „Macht“ (Ausdrucks- und Handlungsfähigkeit) tatsächlich noch eigener Kraft. Sie ist dasjenige, das nicht mitflattert und zu Fetzen zerreißt. Ich weiß aber gar nicht, wie stürmisch es ist. Vielleicht stehe ich nur zwischen installierten Windmaschinen, die ihre Gebläsestärke ausprobieren. Andererseits sind längst „die Dämonen“ wachgerufen. Die geifern schon mit. Dämonen sind die Geister jener Toten, die keinen Frieden finden konnten. Sie spuken in den Köpfen und Bewegungen der Lebenden oder heften sich ihnen an. Ihr Trachten richtet sich darauf, rehabilitiert (aufgewertet) zu werden.
Zum 11. Februar
Leuchtender Tag. Die Dinge in ihrem Glanz erkennen. Wir leben im Wunder des Existierenden, das eines des warmen Lebens und Fühlens, des Bemerkens und Bedenkens ist. Daß etwas ist und nicht vielmehr nichts, darin erkenne ich Wert und Wunder. Zwischen Begeisterung und Entgeisterung meinen Zickzackkurs haltend hin zu dem Ziel, das jederzeit der Weg ist mit seinen Überraschungen und tiefen Begegnungen. Nicht ständig läßt sich derlei empfinden oder sagen, dies bleibt den kostbaren Tagen und Stunden überlassen, wenn die Welt zu leuchten beginnt bis tief hinein in das trostbedürftige Herz. Ich sonne mich im Glanz der Schönheit.
Fast schon frivol
Oft schon muß ich lachen, fast stöhnen. Was ist denn dieses Leben für ein mühsames Geschäft? Daß man da mitmacht, daß die Kräfte reichen. Niemals ist das ausgelernt. Dauernd geht es fort, fast schon bedrohlich. Stirbt jemand, machen die anderen zuverlässig weiter. Nichts endet, außer jeweils jeder zur Zeit oder Unzeit. Ein leeres Spektakel? Nicht nach meinem Verständnis. Alles findet sich, übertreibe ich.
Durch die Gegend
Zum Problem
Daß das Leben sich nicht weiß, ist sein uneinspielbarer Vorteil. Es gerät. Mit Nietzsche wäre das ein positives Vorurteil: Was auch immer geschieht, es dient dem Leben. Ich kann dem folgen. Nur ein letztes Urteil, dessen Aussage ich nicht kennen kann, läßt mich zögern.
Im Bewegungsspiel
Immer tiefer und weiterhin besser werde ich in mich hineingestampft. Man landet nicht sonstwo. Schon höre ich die Gegenstimme. Demnach ergänze ich, ein wenig ermüdet bereits von Sophisterei: Man landet nicht sonstwo, es sei denn, man landet sonstwo. Auf solche Weise erreichen wir das Weiterspiel des Lebens, das kein Ende kennt, erst recht keines des Wissens. Ich verteile Komplimente von Herzen, es ist mir ein hohes Vergnügen zu sein.
Lieben heißt lassen
Ein Tag der Glückseligkeit geht zuende, es ist ein Leuchten in der Welt. Nacht ist längst, doch das Leuchten hält an. Wenn die, die ich liebe, sich lieben, geschieht Gutes. Ein Tag voller Musik und Hot Dogs. Lang lebe das aufbrausende Leben, möge es sich nicht kleinkriegen lassen durch sonstwas.
Trauen
Köstliche Stille des Alleinseins. Als sei ich es nicht mehr gewohnt, allzu lang in Gesellschaft zu sein. Doch ich bin gern in guter Gesellschaft und gesellig meinem Wesen nach. Nur daß das Gesellige einen Schaden nahm während der dunklen Zeit, das trägt sich nun ständig nach. Ich möchte es allmählich loswerden, doch ins alte Vertrauen, das damals bereits ein Halbvertrauen war, gerate ich nicht. Ich bin auf der Hut, wie die Schäfer sagen, und zögere mit der Ausgabe.
Versprechen und Verbrechen
An diese Stelle gehört ein Lied, doch ich mag keines finden. Ich werde es mir selbst singen, und es handelt von einem, der auszog, die Regeln zu bedenken und sich gegen sie zu entscheiden, nicht ohne zu wissen, wie gefügt und undurchlässig sie erdacht seien, sich aber dennoch gegen sie entscheidend, nicht jedoch, weil sie schlecht wären, sondern weil er sie für sich nicht als passend erkennen konnte. Demnach forschte er weiter und irrte umher in ausgerechneter und ausgerechnet der Welt, in die er geworfen war wie ein Bündel Nichtwissen, und schuf sich Bilder und Lieder, um sein Nichtzuhausesein zu singen und zu malen, aberwitzig viele Male und Versuche lang, und siehe doch, er hört nicht auf.